Die Soziologie hinter Politblogs

22 11 2006

Seine freundlichen Kommentare und Tipps sind schon beinahe ein Outsourcing der Betreuung meiner Lizenziatsarbeit (=Magisterarbeit) nach Bamberg: Weblog-Kommunikationssoziologe Jan Schmidt.

Sehr interessante Hinweise zu soziologischen Hintergründen von Blog-Betreibenden finden sich in seiner gross angelegten Studie „Wie ich blogge?!“. Dazu auch: Stabilität und Dynamik von Weblog-Praktiken.

Spezifischer auf Politblogs zugeschnitten ist sein eben erschienener Artikel in Politik-digital.de: Der Politblogger und sein Milieu. Bestimmte meiner Formulierungen lassen leicht erkennen, dass ich eine notorische Sprachterroristin bin, die daran glaubt, dass Sprache nicht nur Realität abbildet, sondern auch schafft um eine einigermassen geschlechtergerechte Sprache bemüht bin. Hier muss allerdings angemerkt werden, dass der Politblogger tatsächlich zutrifft. Einer der Befunde ist nämlich: Blogger mit politischem Interesse sind männlich, gut gebildet und über 30 – kurz: alte Akademiker.

Schmidt zieht in seinem Artikel u.a. folgende Schlüsse: Zum einen ist ein signifikanter Anteil der deutschsprachigen Blogger als Autoren wie als Leser an politischen Themen interessiert. Und zum anderen bilden sich offensichtlich in der Blogosphäre Öffentlichkeiten zu spezifischen Politikfeldern heraus. Die Befunde zum politischen Engagement machen jedoch deutlich, dass sich vor allem solche Personen in Weblogs politisch informieren und zu Wort melden, die auch anderweitig am politischen Prozess partizipieren. Hier deutet sich also eher eine Verstärkung bereits bestehender Ungleichheiten in der Beteiligung und dem Engagement an – Weblogs tragen eben nicht dazu bei, die Kluft zwischen politisch Interessierten und Desinteressierten zu schließen. Was die Studienergebnisse nicht beantwortet, ist etwa die Frage, inwieweit Politblogger an bestehende, massenmedial produzierte Öffentlichkeiten anschließen: etwa indem journalistisch aufbereitete Informationen aufgegriffen, diskutiert und weiter verbreitet werden.

Am meisten interessiert mich ja die Interaktion traditioneller Massenmedien mit Politblogs (als solche sollen von nun auch Blogs verstanden werden, die nur gelegentlich über politische Themen schreiben oder deren Inhalte – seien sie auch nicht vordergründig politisch – politisch relvant sein können). Ob das Resultat des hier veranstalteten kreativen Chaos offen gebliebene Fragen mindestens ansatzweise beantworten wird, steht noch in den Sternen der Blogosphäre.

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3 responses

26 11 2006
Adrian

Warum hast du Blogs in deiner Blogroll, die seit mehr als einem Monat-einer sogar seit letztem Mai – nichts mehr gepostet haben? Weil sie deiner Meinung entsprechen?

26 11 2006
Sarah

Gute Frage, lieber Adrian, die mich zumindest in meiner digitalen Ehre leicht erröten lässt. Ich kann dir versichern, dass „Blogroll aktualisieren“ bereits der oberste Punkt meiner analog geführten To do-list ist und dass die Dringlichkeit desselben durch deinen Kommentar noch zusätzlich erhöht wurde. Die aktuelle (bzw. eben nicht spezielle aktuelle) Blogroll geht auf ein diesen Frühling hergestelltes Papier von C. Schenkel zurück.

Was ich bei dieser Gelegenheit anmerken möchte: eine vollständige Blogroll mit politischen Blogs wird ohnehin nie möglich sein. Nicht mal eine der Deutschschweizer Polit-Blogosphäre, obwohl diese ja noch einigermassen überschaubar scheint.

27 11 2006
Adrian

Vollständigkeit ist kein vernünftiges Ziel, aber Blogs die seit einem halben Jahr nichts mehr geschrieben haben (Liberalismus) oder seit einem Monat tot sind (edemokratie.eu, Dance out Wef, Komplementärmedizin, wobei der ja vielleicht wieder aufersteht) machen keinen guten Eindruck.

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