Meinungen zur Politblog-Forschung

29 11 2006

Journalismus-Forscher Vinzenz Wyss rät mir von einer gross angelegten Befragung über die Blognutzung von Medienschaffenden ab. Die seien ohnehin genervt, werden allzu oft befragt, und ich könne zudem im Nachhinein nicht mehr richtig eruieren, wen ich denn genau befragt hätte. Und überhaupt würden bloss ca. 10% Blogs nutzen. Er schlägt mir eine „geschichtete“ Befragung vor, mit klar ausgewählten zu Befragenden. Vielleicht sollte ich auch von Anfang an nur solche auswählen, die überhaupt Blogs lesen, um dann auf die Mechanismen, wie politische Informationen in Mainstreammedien gelangen, besser eingehen zu können, statt von 90% der Befragten bloss zu hören: Ich lese gar keine politischen Blogs.

Mein unglaublich computergewandter Betreuer (der offenbar noch nie mit der ironischen Verwendung von Tex Rubinowitz’ strike tags in Berührung gekommen ist, aber dafür mit der heiteren Welt von Ehrensenf) fragte mich gestern in aller Kürze, warum ich eigentlich nicht die These aufstelle, dass Blogs nach wie vor praktisch keinen Einfluss auf politische Meinungsbildung ausüben.

In den Gängen der Uni erwähnte ich noch rasch das Experiment, von dem ich im Meinungsmacher-Buch gelesen hatte und das mich schon fast mit der Experimentalforschung liebäuglen liess. Die Universtität Eichstätt hat ein Feldexperiment durchgeführt, das Andreas Stumpf 2005 in der „Message“ publiziert hat und im genannten Buch von Zerfaß / Boelter folgendermassen zusammengefasst ist: „Eine fingierte Pressemeldung über die angebliche Entdeckung eines Sex-Gens war per E-Mail an hunderte Journalisten geschickt worden. Die Mail verwies auf eine gefälschte Website mit ebenfalls fingiertem Infomaterial. Geprüft wurde anschließend, wie viele Redaktionen die Story publizierten. Bemerkenswert war schließlich, das Ergebnis: Schon kurz nach dem Versand der Falschmeldung veröffentlichte das Internet-Magazin Telepolis eine erste Richtigstellung, die kurz darauf in einem Blog der Wiener Tageszeitung Kurier aufgegriffen wurde. Danach musste jedem Redakteur klar sein, dass er eine Fälschung vor sich hatte. Der Blogeintrag mit dem Link auf die Richtigstellung wurde von den meisten Suchmaschinen prominent gelistet.“

Advertisements

Aktionen

Information

2 responses

29 11 2006
Chris
1 12 2006
Sarah

Danke für die indirekte Einladung zur 3. Schweizer Ideenmesse, Chris, die mich tatsächlich interessiert hätte, wäre ich nicht bereits anderweitig verpflichtet gewesen. Besonders gespannt bin ich selbstverständlich zu lesen, ob denn politische Blogs Thema waren und ob Blogs als Lösung genannt wurden, um der Schweiz eine möglichst liberale politische Agenda zu bescheren. Im Programm der Tagung konnte ich keine expliziten Bezüge zur Blogosphäre ausmachen, gehe aber davon aus, dass Blogs als politisches Kommunikationsmittel doch immer mal wieder zwischen den Zeilen gestanden haben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: