Blogosphärische News

14 12 2006

Veränderungen im Watchblog-Sektor der grossen meinungsbildenden Tageszeitungen in Deutschland und der Deutschschweiz:

Neuerdings ist das im deutschsprachigen Raum meistverlinkte Blog BILDblog im freiwilligen Abo erhältlich. Seit dem Relaunch ist zudem ein BILDblog-RSS-Feed nur für die Kategorie Politik abonnierbar: man bleibt immer auf dem neusten Stand, wie die BILD Zitate erfindet, verfälscht oder die Wut auf Beamte und Politikerinnen erst richtig anheizt. Das Pendlerblog, das über die erheiternden Fehlleistungen der Gratiszeitung 20 Minuten fast zwei Jahre lang berichtete, hat leider das Zeitliche gesegnet.

Le Web 3-Konferenz
Auch in Paris wurde festgestellt, dass Blogs nicht nur einfach Blogs sind. Aber ein sinnvoller Vorschlag, wie man z.B. politisch relevante Blogs von anderen unterscheiden soll, scheint auch da nicht gemacht worden zu sein, wie One Man & His Blog aufzeichnete. Insgesamt bahne sich im Mediensektor ohnehin eine Marktbereinigung an, weil sich das Gleichgewicht zwischen Zeit und Aufmerksamkeit verschiebt:

Yossi Vardi pointed out, there will be a shakeout in existing media as people’s balance of time and attention shifts. He also said that “blogs” is too general a words, and that we need to start creating a breakdown of categories.

[Immerhin weiss ich nun, dass das, was ich immer umständlich mit „traditionelle Massenmedien“ umschreibe, im Englischen einfach „Old Media“ heisst. Praktisch, dieses Englisch.]

Le Web, politisches Marketing und Blogs
Insgesamt scheint man sich in Paris sehr über den Auftritt der Politiker genervt zu haben, besonders Sarko und Bayrou, die natürlich schon wahlkämpfen. Das (angebliche) Interesse fürs Internet verspricht auf dem politischen Parkett offenbar ein fortschrittliches Image. Bayrou machte sich gemäss ZDR.net über die Online-Austauschplattform seiner Konkurrentin Royal lustig:

«Vous trouvez qu’il est vraiment interactif, ce livre?»

Insgesamt muss wohl gesagt werden, dass auf politischer Ebene Blogs weiterhin in erster Linie als persönliches Marketinginstrument im Wahlkampf betrachtet werden. Und dass der wahre Austausch mit der Wählerschaft wohl wegen knapper Zeitressourcen gar nicht möglich ist.

Hier sind ein paar Notizen über David Weinberger und dessen Bemerkungen zu Democracy and New Media zu finden. danah boyd berichtet ausführlich über Le Web 3 in Paris und fand die Politiker gar nicht so schlimm, aber um so schlimmer fand sie:

People may bitch about there being no women speakers but at Le Web 3, there were no female attendees (other than femalepress). It was a sea of middle-aged white men dressed in business casual.

Internet-Sucht
Bei Slashdot diskutieren zurzeit Blogger, exzessive Internetsurferinnen und weitere Menschen, deren Finger an Tastaturen festkleben, ob Internet-Sucht nicht einfach eine schlechte Angewohnheit sei, sondern geradezu ein unkontrollierbares Verhalten worthy of protection under the „Americans with Disabilities Act“.

Medien und Politik in Second Life
Immer öfter hört und liest man in unserem ersten Leben von einem zweiten Leben, das für manche allerdings an erster Stelle kommt (siehe einen Abschnitt weiter oben). Neben Blogs, Online-Zeitungen und E-Paper entwickelt sich ein neuer Medienzweig in Second Life und anderen sozialen Web 3D-Anwendungen, die auch auf den klingenden Namen MMOG oder gar MMORPG hören. Soeben hat der Axel Springer-Verlag eine kostenpflichtige Zeitung in Second Life lanciert, die wohl auch über politische Umstürze, Regelungen im zweiten Lebensraum berichten wird. Es finden sich bereits massenhaft Blog-Einträge über Politik in Second Life einer wachsenden virtuellen Bevölkerung aus Avataren: einerseits dringt reale US-Politik in Second Life, andererseits wird der hobbesiansische Naturzustand im gemeinschaftlichen zweiten Leben auch irgendwann transformiert werden müssen. Ein hoch interessantes, experimentelles Feld für die Politikwissenschaft: Wird es im digitalen Zusammenleben möglich sein, andere Formen gesellschaftlicher Verbindlichkeiten zu finden als im analogen Leben? Wie werden allfällige Gerichte mit einer digital entwendeten, mit Linden Dollars teuer erstandene Yacht umgehen? Werden Umweltschutz-Parteien endlich überflüssig? Wie steht es um Kindertagesstätten? Gibt es ein Rentenalter? Einen solidarischen Sozialstaat? Man darf gespannt sein. Ähnlich wie Blogs wird wohl auch Second Life zunehmend zu einem webbasierten Marketingmittel für politische Macht im First Life.

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One response

21 02 2007
Bayrou.de

vielle in Deutschen, die in Frankreich leben, würden BAYROU wählen, wenn sie nur dürften.

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