Politblog-Interview & „citizens of digital democracy“

22 12 2006

Ein tolles Interview mit dem prominentesten deutschsprachigen Blog-Forscher Jan Schmidt ist soeben bei den Blogpiloten erschienen. Blogpiloten ist ein professionelles Blog-Spotting-Blog, das man im Auge behalten sollte. Das Interview geführt hat Politologie-Student Igor Schwarzmann:

Politische Blogs in Deutschland: Ist da was?

Gefragt wurde nach den Ergebnissen der Studie „Wie ich blogge?“ und auch:

  • Können Politikblogger in Deutschland zu Multiplikatoren und Meinungsführern werden wie man das aus den USA kennt?
  • Ein wenig wissenschaftlicher gefragt: Übernehmen Politikblogs – oder auch Blogs allgemein – eine Gatekeeping-Funktion?
  • Nun ein wenig plakativ gefragt: Brauchen wir in Deutschland einen Irak-Krieg, damit Poltikblogger sich formieren können?
  • Wenn ich das richtige verstehe, siehst Du in (Politik)Blogs keine Massenmediumqualitäten?

Durchwegs lesenswert. Schmidt scheint zudem meine hier auch schon geäusserte Vermutung zu bestätigen, dass in den USA Blogs durch Unterschiede im politischen System mehr Sprengkraft haben als in Westeuropa, und vor allem auch da das Mediensystem kommerzialisierter und konzentrierter ist und Blogs dadurch viel eher zur Meinungsvielfalt beitragen als z.B. in der Schweiz, wo die Pressevielfalt insgesamt grösser ist.

Und zum Schluss noch dies: Es rauschte – in Internetzeit gedacht vor Ewigkeiten – durch die Blogosphäre: Alle Webuser wurden vom TIME-Magazin zur Person des Jahres 2006 erkoren. Das heisst: «You – yes, You», wir alle tragen (bei Wikipedia, YouTube und der Blogosphäre) dazu bei, dass durch diesen ominösen User generated content (nutzergenerierter Inhalt) alle das Internet mitbauen. Die Rede war von citizens of digital democracy. Es stellt sich die Frage, wie politisch das tatsächlich gemeint sein kann. Denn ich komme immer mehr zur Überzeugung, dass die bestehenden analogen Strukturen digital nachgebaut werden und Ungleichheiten insgesamt eher verstärkt statt ausgeglichen und demokratisiert werden.

Nachtrag: Dazu fand ich neulich ein Interview in der Süddeutschen mit Jaron Lanier, Internetpionier und Gegenwartsphilosoph, der im Web 2.0 alles andere als bloss Verheissungen sieht. Er spricht sogar von einer neuen Form von digitaler Unterdrückung.

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One response

10 01 2007
Stefan Schridde

Nur nicht entmutigen lassen. Es gibt in der Welt nichts Gutes, es sei …
Ob on oder off [line] es kommt auf den gestalterischen Willen an. Internet ist das beste Telefon, nun kommt es auf den Dialog an. Wer mag kann per Teamblogging einsteigen (http://www.team299.de). Ist natürlich auch eine Einladung zum Besuch von 299direkt (blog.299direkt.de).

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