„Alte Medien“ keine „Schrankenwärter“ mehr?

13 03 2007

„Schrankenwärter“ heisst offenbar die sich etablierende Übersetzung von „Gatekeeper“: Das, was die „alten Medien“ mal waren. Bevor der Putschversuch der „neuen Medien“ sie in die Krise gestürzt haben. Die Neue Zürcher Zeitung macht jedenfalls aus einer Studie der „Columbia School of Journalism“ in New York eine „Krise der amerikanischen Medien“. Auflagen und die Zahl der Radio-Hörenden sinken und Information im Internet zu verkaufen, habe sich als schwierig erwiesen. Auszug aus dem NZZ-Artikel von heute:

Im Trend liegen Meinungsjournalismus (vom Bloggen abgekupfert?) und das Einbinden von „Citizen Journalism“ (Bürgerjournalismus, Leserreporter – nutzergenerierter Inhalt im Online-Journalismus). Die Rede ist von epochalen Veränderungen im Journalismus. Natürlich kann man die Veränderungen wiederum als Zersplitterung der Informationskanäle beklagen, oder man kann sie als „demokratisierend“ loben, weil im „Mitmachweb“ alle zu Wort kommen, die das überhaupt wollen. Schlussendlich bleiben es Veränderungen mit bestimmten Auswirkungen, die aus demokratietheoretischer Sicht sowohl Vor- wie auch Nachteile mit sich bringen. So sehe ich persönlich dem zugegebenermassen grossen Wandel zunehmend gelassener entgegen. Zumindest wenn ich die wissenschaftliche Brille aufsetze.

Dass man das in der professionellen Medienbranche anders sehen muss, ist mir klar. Persönlich beschäftigt mich insbesondere der mögliche Qualitätsverlust, da seriös aufbereitete und gewichtete Information Recherchezeit braucht, die durch den Kostendruck und die Schnelligkeit der „neuen Medien“ immer mehr unter Druck gerät.

Der These, dass professionelle Journalistinnen und Journalisten nun keine „Schrankenwärter“ mehr seien (auch Axel Bruns vertritt sie vehement in seinem Buch „Gatewatching“), halte ich im Übrigen bloss für teilweise zutreffend. Erstens weil andere Studien belegen, dass auch im Online-Bereich die meistgenutzten Newsquellen Portale traditioneller Medien sind und dass zwar möglicherweise bezahlte Medienschaffende weniger selbst recherchieren, aber noch immer die Auswahl treffen, worüber berichtet wird. Dass z.B. das Saddam-Video über YouTube verbreitet wurde, zeigt zwar ein Umgehen der bisherigen publizistischen „Schranken“, ich zumindest (und ich denke neben mir noch viele andere) habe über das Video und dessen Verbreitungsform dennoch über Mainstreammedien erfahren.

P.S. In ganz anderen Fachkreisen begegnet man dem Phänomen „neue Medien“ nicht nur euphorisch: Soeben lektoriere ich ein Tagungsprogramm, in dem auch ein Fachpsychologe mit Spezialgebiet „neue Medien“ angekündigt wird. Er wird über Medienabhängigkeiten und Interventionsmöglichkeiten referieren.

Advertisements

Aktionen

Information

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: