Das späte re:publica-Fazit

26 04 2007

Berücksichtigt man die aktuelle digitale Verfallszeit, dann dürfte ich es inzwischen längst nicht mehr wagen, ein persönliches Fazit über die re:publica-Konferenz zu publizieren, ohne direkt auf den virtuellen Antiquitätenmarkt gespült zu werden.

Nichtsdestotrotz wage ich hier einen späten persönlichen Rückblick:

Der Kurzbesuch in Berlin anlässlich der re:publica hat sich besonders für meine Lizenziatsarbeit gelohnt – aber nicht nur. Vom Zusammentreffen mit dem prominentesten deutschsprachigen Blog-Forscher Jan Schmidt hatte ich mir viel erhofft, und meine Erwartungen sind im Nachhinein gar noch übertroffen worden. Denn nicht nur Jan Schmidts Forschung ist erhellend und inspirierend, der Mann hat auch grosses persönliches Charisma und räumte gar beim PowerPoint – Karaoke der Zentralen Intelligenz Agentur regelrecht ab: meine gefilmten Beweise auf You Tube. Einen sehr unterhaltsamen Abend bot das Donnerstagprogramm ohnehin: neben dem heiteren Karaoke rockten auch die Ohrbooten mit wunderbaren Texten vor jungen weiblichen Groupies (die wohl sonst nicht an der Konferenz teilnahmen) und der deutschen Blogszene. Dass man sich direkt neben der Konzertbühne dank Computer-Terminals über die Band informieren konnte, war für mich eine erstaunliche Premiere.

Rückblicke:

  • Die answesende Crème de la crème der deutschsprachigen Blogosphäre verriet, dass Bloggen (mit einer angestrebten mittleren bis grossen Reichweite) nichts fürs „gemeine Volk“ ist. Ein grosser Anteil der deutschen A-Blogger (ein immer wieder als unselig bezeichneter Begriff, der sich dennoch durchsetzt) sind (ehemalige) Journalisten, Experten und Forscher.
  • In der A-list befinden sich kaum Frauen – obwohl Bloggerinnen inzwischen insgesamt in der Überzahl sind, aber ein thematischer „gender gap“ besteht. Zwei der prominentesten deutschen Bloggerinnen (Katharina Lyssa Borchert und Mercedes Bunz) arbeiten inzwischen als Online-(Chef-)Redakteurinnen für „klassische“ Medienhäuser.
  • Ich fühlte mich in meiner skeptischen Haltung gegenüber der These, dass Blogs das neue Nirvana der Demokratisierung und der zunehmenden politischen Partizipation seien, durch Gespräche und Äusserungen auf der Konferenz im Grossen und Ganzen bestätigt.
  • Katzencontent und Strickblogs wurden mal diskreditiert, mal verteidigt als die gar nicht unbedingt schlechteren Blogs als jene, die eine grosse Reichweite anstreben und über Politik bloggen.
  • Die Vermessung der Blogosphäre scheint über Links weiterhin am besten zu bewerkstelligen zu sein. Das Erfassen von Zugriffszahlen auf Blogs wird durch die zunehmende Nutzung von RSS-Readern immer schwieriger.
  • Wirklich interessant wäre die zunehmende Beschäftigung mit dem „long tail“ der Blogosphäre, jener Blogs mit geringer bis sehr geringer Reichweite, die im Grunde das Wesen der Bloggesamtheit ausmachen. Die A-Blogs mit sehr hohen Zugriffszahlen sind die grosse Ausnahme, prägen aber das Bild.
    • So gesehen geht meine Forschungsarbeit über Blogs und Massenmedien am wahren Potenzial von Blogs, nämlich Nischenöffentlichkeiten fernab des massenmedialen Diskurses herzustellen, genau genommen vorbei. Ich werde dennoch untersuchen, welche (politisch relevanten) Blogs von klassischen Medien zitiert werden bzw. wie und welche politisch relevanten Informationen aus Blogs in Printmedien gelangen.

People: Gefreut hat mich auch das Treffen mit Markus Beckedahl, mit kosmar, Thilo und das Wiedersehen mit meinen Bekannten und Freunden der Z.I.A. Schade, dass der sympathische Matthias Spielkamp, den ich vor einem Jahr an einer Online-Konferenz getroffen hatte, wieder keine Zeit hatte. Seine Ausführungen über digitale Urheberrechte waren einmal mehr interessant. Mit den Hauptstadtbloggern hätte ich gerne noch gesprochen, aber dazu reichte es leider nicht mehr. Mister ((( rebell.tv ))), sms, hat einen Podcast mit mir gemacht und auch von Trackback, der Sendung über Blogs bei Radio Fritz (powered by Spreeblick), wurde ich rasch befragt. Auch Johnny Haeusler bloss von weitem gesehen (sein Web-Komiker-Auftritt war wunderbar), mit Tanja aber kurz gesprochen. Mario Sixtus‘ Grösse und Anmut bewundert – ohnehin finde ich den elektrischen Reporter längst wunderbar. Mit Ronnie Grob hoffe ich, mal noch etwas länger zu sprechen als dies dort möglich war.

Trackback befragte auch Jan Schmidt ausführlich und wenige Tage nach der Konferenz war der heimliche Star der Konferenz bereits Gast in der hier schon viel zitierten Blogsprechstunde von politik-digital.de. Es folgt der Ausschnitt zum für PolitikBlogs relevanten Thema:

schmidt.jpg

Zurzeit lese ich im Übrigen u.a. die tolle Diplomarbeit von Matthias Paetzolt über das demokratische Potential politischer Weblogs in Deutschland, die mir Jan Schmidt netterweise zugeschickt hat.

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