Fachliteratur – analog & digital

23 05 2007

Steht schon ewig im PolitikBlogs-Kühlschrank, und muss jetzt endlich gegessen werden, bevor es noch unverzehrt auf den DigiKompost geworfen werden muss:

Gesammelte Hinweise auf Fachartikel und Forschungsliteratur über Blogs, Politik & Journalismus

/// Literatur Print (nur das Beste vom Besten der bereits erwähnten & einige neue):

  • Wurde mir empfohlen (leider noch nicht gelesen):

Democracy and new media (Hrsg. Henry Jenkins und David Thorburn). MIT Press, 2003.

Die Aufsatzsammlung verspricht, die Vielfalt des aktuellen Diskurses über Demokratie und Cyberspace abzubilden. Einige Beiträge behandeln den Einfluss der aufkommenden Technologien auf Politik, Journalismus und die aktive Zivilgesellschaft. Was geschieht z.B., wenn der Zugang zu Information vereinfacht wird und die Plattform für freie Meinungsäusserung grösser wird? Vergleiche der USA mit dem Einsatz neuer Medien in Kuba, in Südafrika und in multikulturellen Debatten sind enthalten. Die pessimistische wie auch die optimistische Strömung in Bezug auf die Kombination „Neue Medien & Demokratie“ sind in den Beiträgen vertreten. (sinngemässe & leicht gekürzte Übersetzung der Zusammenfassung auf der MIT-Seite)

Fans, bloggers, and gamers : exploring participatory culture (Henry Jenkins, 2006)

/// Digitale Literatur

Zusammenfassung der bisherigen Blog-Forschung
Einen umwerfenden Überblick über bisherige Blog-Forschung (allerdings mit Fokus auf Weblogs und Journalismus) bieten Christoph Neuberger, Christian Nuernbergk und Melanie Rischke in ihrem Artikel: Weblogs und Journalismus: Konkurrenz, Ergänzung oder Integration? Einige besonders interessante Punkte:

  • Bisher ist es Weblogs in Deutschland nur in wenigen Fällen gelungen, Themen zu setzen und Missstände aufzudecken. Deutlich grösser als in Deutschland ist der Einfluss der „A-list“-Blogs in den USA. In Politik, Wirtschaft und Medien ist die Existenz und Bedeutung von Weblogs inzwischen bekannt; sie reagieren durch Blogmonitoring und eigene Weblogs. Die höchste publizistische Relevanz haben Weblogs in Krisensituationen, in denen Blogger exklusiv als Augenzeugen oder als unabhängige Dritte (wie die Warblogs im Irakkrieg 2003) berichten können.
  • Viele Blogger haben journalistische Erfahrungen
  • Eine Inhaltsanalyse von PEW Internet & American Life Project zeigte, dass es prominenten politischen Blogs im amerikanischen Wahlkampf 2004 punktuell gelang, die Themenagenda vieler Online-Anbieter und übrige Medien zu beeinflussen.
  • Einmal mehr zunichte gemacht wird auch der Mythos der durch Weblogs hergestellten egalitären Öffentlichkeit
  • Viele Weblogs reagieren auf Berichte der Massenmedien
  • Suchziele von Redaktionsmitgliedern bei der Nutzung von Weblogs (basiert auf einer Befragung der Redaktionsleiter deutscher Nachrichtenredaktionen, Mai bis Juli 2006). Die beiden am häufigsten genannten Suchziele waren bei 33 befragten Redaktionsleitern:
  1. Themenideen: häufig 42,4%, selten 48,5%, nie 9,1%
  2. Fakten über ein aktuelles Ereignis: häufig 31,0%, selten 24,1%, nie 44,8%
  3. Mehr dazu in der Grafik auf Seite 14.

Die Autoren kommen zum Schluss, der mich nun wirklich nicht mehr aus den Socken haut, aber nach wie vor sehr plausibel ist: zwischen Blogs und traditionellen Medien besteht eher ein komplementäres Verhältnis als ein konkurrierendes.
Grenzen werden durch die zunehmende Integration von Blogs in journalistische Websites ohnehin immer mehr vermischt.

Beste Internet-Statistiken aus den USA
Die besten Zahlen über Internet und die amerikanische Bevölkerung liefert meines Wissens das PEW Internet & American Life Project. Der neuste Report von 2006 und dessen wichtigste Erkenntnisse:

  • Doppelt so viele Amerikanerinnen und Amerikaner brauchten das Internet als ihre erste Informationsquelle im Vorfeld der Wahlen 2006 verglichen mit den Wahlen 2002.
  • 15% der amerikanischen Erwachsenen sagten, dass sie am ehesten im Internet am meisten Neuigkeiten über die Wahlkampagnen erfahren haben (im Vergleich zu 7% in 2002)
  • eine Befragung nach den Wahlen zeigte, dass ein bemerkenswerter politischer Online-Aktivismus entstanden ist. 23% jener, die das Internet für politische Zwecke einsetzen haben selbst politische Kommentare oder Videos erstellt oder weitergeleitet.

Die Dokumentation der Präsentation von Lee Rainie, Director, Pew Internet & American Life Project : Presentation to Personal Democracy Forum am 18. Mai 2007. Enthält hochinteressante Zahlen, die den rapiden Anstieg der (politischen) Internetnutzung belegen:

• 92 million American adults use government Websites
• 38 million have sent email to government officials to try change policies
• 32 million have emailed jokes about candidates
• 29 million have researched or applied for government benefits
• 26 million use the internet for news about politics on average day in 2006, up 140% from 2002
• 25 million fact-checked the candidates online in 2006
• 24 million have participated in organized lobbying campaigns
• 21 million have watched political videos online (as of February, 2007)
• 14 million read political and media blogs
• 13 million consulted candidate sites in 2006
• 4 million donated to candidates online in 2006
• 2 million write about politics on their blogs

Über Blogs steht zudem:

20% [among the politically active cohort online in 2006] got news and information about the campaign from blogs. Those with relatively high levels of education and high levels of household income were particularly drawn to blogs as were campaign internet users in their 30s and their 50s. Blogs held special force with those who used the internet to get political news and information from places outside their communities.

Fazit: Ein hoher Bildungsstand und gutes Einkommen machen politische Blognutzung wahrscheinlicher sowie die Zugehörigkeit zu einer Altersklasse zwischen 30 und 40 und zwischen 50 und 60.

20% über Blogs politisch informierte Onliner klingt zunächst nach einigermassen viel. Stark relativiert wird die Zahl 20% jedoch dadurch, dass 60% der Befragten Neuigkeiten und Informationen über den Wahlkampf aus Newsportalen wie Google News bezogen, weitere 60% (man durfte wohl mehrere Antworten ankreuzen) von TV-Infoseiten wie CNN.com und 48% auf Online-Angebote von lokalen und 31% von nationalen traditionellen Medienhäusern zurückgriffen.

Sehr lesenswert: Welker über Blogs und Journalismus
Irgendein technischer Bösewicht verhindert zurzeit den Zugriff auf Martin Welkers Studie: Die Recherche-Chance: Was Journalisten mit Weblogs anfangen (können). Ein Online-Artikel von Welker führt allerdings auch sehr kompakt ins Thema ein.

Welker wirkt an der Uni Leipzig und ist ein Pionierforscher im deutschsprachigen Raum im Bereich Journalismus und Weblogs. Zudem organisiert er die General Online Research-Konferenz GOR, die kürzlich mal wieder mit einem ansprechenden Programm stattgefunden hat. Welker hielt einen Vortrag mit dem viel versprechenden Titel Journalisten als Weblognutzer: Gefährden sie journalistische Standards? Seine Recherchen konnten im Übrigen nichts dergleichen nachweisen.
Zudem kann ich Martin Welkers Blog empfehlen (neulich aufgemöbelt?), dem ich auch entnehme, dass der SWR zusammen mit den üblichen verdächtigen deutschen A-Bloggern eine Studie über Web 2.0 und Mediennutzung im Allgemeinen herausgegeben hat.

Demnächst: Noch hinter dem Mond, aber schon so richtig in der Pipeline: Neue Neue Medien-Literatur von den deutschsprachigen Blog-Forschungs-Grössen: Welker, Schmidt und Zerfaß. Könnte das Zeug zum Standardwerk haben.

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