Vlogger, Printsterben & digitale (Nicht-)Revolution

27 06 2007

Während ich selbst mit Bloggen ins Hintertreffen gerate, vloggt unser Stadtpräsident nach seinem NZZvotum-Gastblogger-Auftritt bereits seit zwei Tagen frisch und fröhlich.

Auch sonst überschlagen sich die Ereignisse, während ich mich für meine Arbeit digital durch 7000 Presseartikel mit Blog-Nennung aus der Schweizer Mediendatenbank wühle:

Nachdem heute sogar jemand mit der erstaunlichen Anfrage «Mein Professor will mit mir schlafen» hier gelandet ist, ging der – inzwischen erfolgreich beendete – 1. politische Blog-Karneval ohne mein Zutun über die Bühne. Und zu allem Unglück wurden in den letzten Wochen gleich zwei grössere Schweizer Printmedien geschlossen. Irgendwie wartete ich gespannt darauf, dass jemand diesem Internet und diesen Blogs die Schuld für das Printsterben geben würde – obwohl ich das dann doch für falsch gehalten hätte. Irgendwie scheinen jedoch Gratiszeitungen in Realität das viel bedrohlichere Geschäftsmodell für Zeitungen mit gewissen journalistischen Qualitätsansprüchen zu sein. In Kürze werden wir in der Deutschschweiz vier Gratiszeitungen haben: 20 Minuten (mit einer um 25 % aufgestockten Auflage), heute, das ab September ins Haus gelieferte .ch und eine neue Tamedia-Gratiszeitung, die nach dem gestorbenen Facts kommen soll. Und vielleicht noch viele andere mehr.

Web-Revolution – oder eben gerade nicht?
Das online relativ frisch ge-re-launchte «Magazin» recycelte Guido Mingels‘ Artikel über die Nicht-Revolution durch das Internet. Was da über das Netz und auch Blogs gesagt wird, ist gar nicht so falsch, im Gegenteil. Auch wenn die Zahl 16 Millionen Blogs inzwischen hoffnungslos veraltet ist (vor ein paar Monaten waren es bei Technorati bereits über 70 Mio):

Ein Internet-Mythos jüngeren Datums ist jener der Weblogs als fünfter Macht im Staat, die die herkömmlichen Massenmedien als Informationslieferanten ablösen werden. […] Die Zahl der Blogs wird weltweit auf 16 Millionen geschätzt.

Mingels wirft einen relativ nüchternen Blick auf die digitale Revolution, mit dem ich über weite Strecken einverstanden bin. Dennoch ist es schön, dass Peter Sennhauser (dessen Name erstaunlich viele meiner 7000 Artikel ziert) bei Medienlese Mingels‘ abgeklärten Standpunkt wiederum ironisch relativiert:

Mingels’ Fazit: Das Internet ist nur ein Werkzeug. Gesellschaft und Politik sind weitgehend unberührt. Nur der Konsum ist noch bequemer geworden. Wie wahr. Es ist genau wie mit der Erfindung des Verbrennungsmotors. Nichts hat sich geändert, die Bauern haben lediglich die Pferde durch Traktoren ersetzt…

Advertisements

Aktionen

Information

One response

28 06 2007
Peter Sennhasuer

Sarah

Auch ich stimme Mingels in vielen Dingen zu, die er festhält – ich halte einfach die Schlussfolgerung für überaus flapsig.

Was Blogs angeht, bin ich erstaunt, dass ich in der SMD dazu auftauchen soll. Mein ursprüngliches Urteil gehört nämlich zur Reihe von Fehleinschätzungen, die mir in den Jahren als Beobachter unterlaufen sind. Ich habe sie damals, als sie mein Kollege Luzi Weber 2001 bei Cash ganz begeistert behandeln wollte, als wirtschaftlich und politisch irrelevant abgetan…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: