Die YouTube-isierung der Politik

29 07 2007

Die Ära der politischen Vlogs ist definitiv angebrochen.

Die Bedeutung des geschriebenen Wortes nimmt in der digitalisierten Politik ab – Politikerinnen und Politiker sehen sich, genau wie im analogen Leben, lieber gefilmt reden als in geschriebene Worte gefasst. Ein YouTube-Auftritt (oder die ganzen entsprechenden einbettbaren Videoplattformen) ist attraktiver als geschriebene Blog-Beiträge – Rhetorik ist schliesslich der Überzeugungskraft von Argumenten in Textform oft überlegen.

Die deutsche Netzzeitung präsentiert 10 politische Vlogs.

Frau Merkel hat seit einem guten Jahr ein Vlog, Toni Blair gratulierte Nicolas Sarkozy über YouTube zu seiner Wahl, nachdem auch Sarko sich gerne mit dem eigenen Videokanal ans Volk wendet. Der Zürcher Stadtpräsident vloggt, und auch der Berner Politiker Fuchs wendet sich ohnehin kaum in geschriebener Sprache in die Wählerschaft der Schweizerischen Volkspartei.

Aufgefallen war mir auch, dass Vloggen nicht einzig mit technischer Affinität der Politisierenden zusammenhängt. Sondern derzeit auch sehr mit deren Grad an Populismus. Zu beobachten ist das auch beim französischen Front National, deren Wählerschaft wohl nicht so gerne liest.

Schliesslich stellt sich auch die Frage, wie sehr die These, Blogs/Vlogs würden den politischen Diskurs demokratisieren, noch haltbar ist, wenn im Grunde doch nur jene Blogs/Vlogs der bereits etablierten Politikerinnen und Politiker breite Aufmerksamkeit geniessen.

Update:

Das Forum Politik hat neulich einen schönen Artikel über YouTube und die Deutschschweizer Politik veröffentlicht.

******

Derzeit ebenfalls im E-Gespräch (Netzzeitung Teil 1, Teil 2, Teil 3, Golem, Netzpolitik): die äusserst internetaffine deutsche Jungpolitikerin Julia Seeliger.

Advertisements

Aktionen

Information

2 responses

3 10 2007
Daniel

Interessant ist unter diesen Gesichtpunkten auch der Auf YouTube zu sehende Trailer zu Naomi Kleins neuem Buch „Die Schock Strategie“, der zuvor auf Filmfestival gelaufen war. Was bei den alten Medien gilt, scheint auch bei den neuen Medien zu stimmen: bewegte Bilder bewegen wohl am schnellsten, einfachsten und umfassendsten.

4 10 2007
Sarah

Danke, lieber Daniel, für das schöne Beispiel. Darum träumen auch viele Print-Schreiberlinge irgendwann vom Fernsehen, Kino und Filmemachen. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: