SP analysiert die Blogkommentare zu den Wahlen

5 11 2007

Ein wunderbares Beispiel, wie Blogs für eine Partei ein geeignetes Mittel sein können, um das eigene Abschneiden bei Wahlen zu analysieren: SP-Generalsekretär Thomas Christen fasste kürzlich die Debatte, die nach der Wahlniederlage im SP-Blog entbrannt war, zusammen.

SP analysiert Blog-Kommentare

Dies bestätigt im Grunde einen Aspekt, den meine Arbeit nicht beleuchtet hat: Blogs konstituieren relevante Nischenöffentlichkeiten, um es mit den Worten von Blog-Forscher Jan Schmidt zu sagen.

Übrigens: In meiner inzwischen vor dem Professor und meinem technischen Betreuer «verteidigten» (und als «gut bis sehr gut» bewerteten) Abschlussarbeit finde ich leider noch mehr Fehlerchen als erwartet. Deshalb dauert deren integrale Publikation an dieser Stelle noch ein paar Tage länger als geplant. Nur falls jemand aus unerklärlichen Gründen sehnlichst darauf gewartet haben sollte…

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Ägyptische Politblogs und BlogCampSwitzerland

23 02 2007

4 Jahre Gefängnis für ägyptischen Blogger
Die zwei grossen Deutschschweizer Qualitätszeitungen, Neue Zürcher Zeitung (NZZ) und Tages-Anzeiger, widmen heute beide zufälligerweise ihre Seite 7 der zunehmend verfolgten ägyptischen Blogosphäre. Dass Regierungen in kritischen Blogs eine Gefahr wittern, und immer drakonischere Strafen aussprechen, zeigt im Grunde das oft zitierte Demokratisierungspotenzial von Web-Öffentlichkeit. Leider wird natürlich gerade da, wo in Sachen Meinungsfreiheit am meisten bewegt werden könnte, auch am meisten unterbunden.

Blogs=Internet-Tagebücher?
Mainstreammedien lieben noch immer den Begriff Internet-Tagebuchschreiber, was mich besonders im Zusammenhang mit politischen Blogs auf seltsame Weise ratlos macht. Nicht dass analoge Tagebücher nicht auch politisch sein könnten. Aber Tagebuch klingt doch sehr nach persönlichen Befindlichkeiten, die unter dem privaten Kopfkissen liegen, kaum etwas mit allgemein verbindlichen Regeln zu tun haben, geschweige denn global per Mausklick einsehbar sind.

NZZ Votum

Die NZZ, manchmal auch alte Tante genannt, gibt sich jung: Letzte Woche präsentierte sie NZZ Votum. Politikerinnen und Politiker bloggen dort unter der Schirmherrschaft der NZZ um die Wette. Unklar ist mir, ob es pro Partei eine Begrenzung gibt, wer wie viele Beiträgeveröffentlichen darf oder ob sich das scheinbare Gleichgewicht ohne Beschränkung eingependelt hat. Man kann auch nur die Beiträge einzelner Parteien verfolgen (NZZ-Parteienblogs). Zurzeit geht es noch um die kantonalen Wahlen in Zürich, man darf aber annehmen, dass es sich um einen Testlauf handelt für die nationalen Wahlen im Herbst.
Fragen zu NZZ Votum: Wie demokratisch ist diese Form von Blogs, die in das Angebot eines Mediums wie der NZZ eingebettet ist, das traditioneller nicht sein könnte? Sind die Kommentare bloss eine Flut von Leserbriefen, die in der Masse schliesslich doch untergehen? Oder handelt es sich um einen wahren politischen Diskurs, der für alle einsehbar ist? Lesen jüngere Leute eher die Blog-Einträge und ältere eher die gedruckte Version der NZZ? Was gelangt aus den Blog-Diskussionen in die Druckversion? Übernehmen schlussendlich doch wieder dieselben Akteure die Moderation des politischen Diskurses – neuerdings eher als Content-Animateure statt dem traditionellen Bild des Journalismus zu dienen? Christian Schenkel von der eDemokratie stellte zudem die Frage, ob es sich nun um ein Blog oder ein Forum handle.

Offline ergiebiger
Diese Woche war ich knapp drei Tage offline, um endlich mal wieder Gedrucktes zu lesen. Es hat sich – gelinde gesagt – gelohnt, der digitalen Ablenkung für eine Weile zu entfliehen. Zum Beispiel habe ich endlich das Buch der ZKM-Tagung (Neue Medien zwischen demokratischen und ökonomischen Potenzialen) gelesen, das schon seit vielen Wochen im Regal stand. Noch bevor der namhafteste deutschsprachige Blog-Forscher darüber bloggte und eine nette Besprechung lieferte. Aber bloss durchblättern hilft natürlich nicht viel und die Erkenntnis, dass da ganz tolle Sachen drinstehen, auf die man ansatzweise auch selbst kommen kann (nur viel Zeit dafür opfert), und dass dort Literaturlisten drin sind, die in grossen Teilen mit meiner eigenen BibTeX-Datenbank übereinstimmen, ist zwar schön, aber auch irgendwie doof, wenn man sich das alles mühevoll selbst zusammengegoogelt und genebist hat. Die Moral von der Geschicht‘: Verschmäh trotz Internetliebe das bereits Gedruckte nicht.

Short-News und -Oldies

  • Aus Österreich wurde ich heute von einem seit der WOS 4 Bekannten von RegisteredCommons darauf aufmerksam gemacht, dass in Zürich nächstens BlogCampSwitzerland stattfindet, wovon ich längst gelesen habe, aber leider wieder vergessen habe: am 24. März trifft man sich an der ETH Zürich!
  • Der Blog-Polemiker Don Alphonso, den ich in Berlin im Mai 2006 an einer Tagung erlebt habe, sagte der Netzzeitung vor zwei Wochen: Die Politik überschätzt Blogs.
  • Nach dem schon reichlich totgetippten Schlagwort Web 2.0 folgt schon das nächste: Internet 3.0. Konferenzen wollen ja mit einem knackigem Titel gut verkauft sein.
  • In Russland ist gemäss FAZ „Livejournal“ der bedeutendste Blog-Anbieter. Anders als in westlichen Ländern dominierten dort nicht Themen wie Lifestyle und Musik, sonderen Politisches. Man hat einen listigen Trick gefunden, um sich vor Zensur zu schützen: aus Russland mach Trinidad & Tobago. Das hat man immerhin an der letzten WM schon mal gehört. Wenn auch zum ersten Mal.
  • Der Kontakt zwischen dem wegweisenden Portal politik-digital.de und PolitikBlogs ist hergestellt. Blogsprechstunden nicht verpassen! Und sonst einfach Chat-Protokoll nachlesen.
  • Arbeitstechnisches: Mein erstes Konzept ist vom gütigen Professor (der seit kurzem ein „Zentrum für Demokratie“ mitplant) soeben angenommen worden. Mit etwas Lob, aber Dutzenden von (durchaus nützlichen) Änderungs- und Verbesserungsvorschlägen. LaTeX hat mich genauso erfreut wie zur Verzweiflung gebracht. Schliesslich bleibe ich dank netter Unterstützung aber beim extravaganten Text-Verarbeitungsprogramm, nachdem ich schon fast alle meine Word-Verwünschungen – gänzlich versöhnt mit den unzähligen Abstürzen – zurückgenommen hätte.




Kraut & Rüben bei PolitikBlogs

11 12 2006

Es folgt ein langer Sammelbeitrag mit diversen Politblog-Trouvaillen, die vor dem Verlust in den Weiten des WWW gerettet werden wollen. Auch wenn sie nicht viel besser zusammenpassen als Zimtsterne und Appenzeller Quöllfrisch (an geselligen Abenden allerdings gar keine allzu schlechte Kombination).

Blog-Dialog zwischen Politik und Volk?
Toni Blairs Chefstrategieberater sieht im Internet keine Lösung für eine bessere Beziehung zwischen politischem Parkett und Wählerschaft, die Christopher Coenen hier beschreibt. BBC News zitierte Advisor Matthew Taylor ausführlich zur Krise der Beziehung zwischen Politikern und Wählerinnen, die seiner Meinung nach durch die aktuelle Internetkultur und Blogs noch gefördert wird:

„What is the big breakthrough, in terms of politics, on the web in the last few years? It’s basically blogs which are, generally speaking, hostile and, generally speaking, basically see their job as every day exposing how venal, stupid, mendacious politicians are.“

Coenen sieht das positiver, aber dennoch kritisch:

„Weblogs können aufgrund soziotechnischer und -kultureller Charakteristika des Blogging derzeit als besonders gut geeignete Instrumente für den Online-Dialog zwischen Politik und Bürger gelten. Neben den Chancen, die sich dadurch zum Beispiel Parlamentariern und hohen Amtsträgern bieten, bestehen jedoch auch Herausforderungen und Risiken. Dies ist sowohl hinsichtlich der unmittelbaren Interessen der bloggenden Politiker der Fall als auch in Bezug auf die weiter reichenden Hoffnungen, die mit digitaler Demokratie oft verbunden werden.“

Das demokratische Potenzial von Blogs
Seit langem liegt ein interessantes Thesenpapier namens „Demokratie reloaded?“ auf meinem Desktop, bei dem es sich um ein geschwisterliches Projekt handelt: Eine Diplomarbeit über das demokratische Potenzial politischer Weblogs im deutschsprachigen Raum von Matthias Paetzolt, betreut von dem Weblog-Forscher im deutschsprachigen Raum: Jan Schmidt. Bamberg etabliert sich neben der Beherbergung von UNESCO-Weltkultur und Erzbischöfen definitiv auch als Blog-Forschungs-Mekka: Schmidt, Abold und nun auch Paetzolt.

Hierher gehört auch der Hinweis auf die Überlegungen in der eDemokratie zu Blogs als Mittel der aussenparlamentarischen Opposition bzw. der Zivilgesellschaft. Diese erinnern stark an das Konzept von Gegenöffentlichkeit, von dem auch zu studentisch bewegten Zeiten um das sagenumwobene Jahr 1968 so oft die Rede war. M.M. von Arlesheim Reloaded äussert in einem Kommentar zum Beitrag seine einleuchtende Vermutung, warum in der Schweiz die politische Blogosphäre nicht so richtig ins Rollen kommt:

  • Das extravertierte Bloggen widerspricht der Schweizer Kommunikationskultur der Diskretion
  • und der helvetische Hochdeutschkomplex hilft der Sache auch nicht.

Als Gründe hinzuzufügen wären aus meiner Sicht auch

  • die Pressevielfalt
  • die vergleichsweise niedrige Konzentration von Medienunternehmen
  • Meinungsfreiheit
  • und ein politisches System, das – wieder vergleichsweise – viel Mitspracherecht seitens der Zivilgesellschaft ermöglicht.

Lesenswert sind auch nja.chTanjas Bemerkungen zu eDemokratie-Christian Schenkels Papier Bloggen in der Politik, wo es u.a. auch um die Frage nach der Definition von Politblog geht und ob Blogs tatsächlich in jedem Fall der Social Software zuzurechnen sind.

„Open Source Reporting“: neue Wikipedia des News-Journalismus?
Das zukunftsweisende Open Source Reporting-Experiment NewAssignment.Net des erwähnten Publizistikprofessors Jay Rosen wird nun auch in Video-Form (7 min) schön erklärt. Reichlich spät habe ich übrigens dessen Blog PRESSthink entdeckt. Da gibt es so viel tolles Material zur Mediendemokratie und die Bedeutung von Blogs, dass man geradezu darin ertrinkt. Man findet z.B. eine ausführliche Schilderung des erwähnten Falls des nicht zuletzt durch die amerikanische politische Blogosphäre zu Fall gebrachten Senators Trent Lott.

Yahoo hat ein neues Newsportal, wo auch Blogs unter dem Tab Opinion erscheinen: Huffington Post z.B. die mit ihrem Kollektivblog eine viel gelesene Stimme in der amerikanischen Blogosphäre ist. Unter dem Tab Politics erscheinen Agenturmeldungen. Es scheint, als könnten Blog-Feeds in modernen Online-Portalen zur aus Printmedien bekannte Kommentarspalte neben Agenturmeldungen werden.

Fragen der Politblog-Forschung
Bei Crooked Timber fand ich die Anfangsüberlegungen anderer Politblog-Forschenden (Eszter Hargittai, Jason Gallo, Sean Zehnder), deren Fragen (wie z.B. ein Politblog überhaupt zu definieren sei) mich zurzeit sehr an meine eigenen erinnern. Auch Bedenken zur Verlässlichkeit der Daten bei Technorati und dem Blog Ecosystem kommen zur Sprache. Herausgekommen ist ein Paper (scheinbar elektronisch für 7 $ erwerbbar) mit dem Titel: Mapping the Political Blogosphere: An Analysis of Large-Scale Online Political Discussion.

Ergänzung zur vermehrten Nennung von Blogs in Printmedien
Kurz nachdem ich die Schweizerische Mediendatenbank auf das Stichwort „Weblogs“ abgesucht hatte (siehe letzter Eintrag), fand ich eine Tabelle, die differenzierter eine ähnlich steigende Entwicklung in Deutschland belegt:

Thematisierung von Blogs in Printmedien

Blog-News aus der Schweiz
Das führende Schweizer Telekommunikationsunternehmen hat sich zum Trend-Schlagwort „User Generated Content“ ausgedacht, dass einige bloggende Menschen ohne Entschädigung bereit sein würden, wöchentlich zwei bis drei Blog-Einträge zu produzieren, wenn ihnen dazu eine Plattform geboten wird. Es kann auch in der Rubrik Politik und News veröffentlicht werden. Matthias von blog.ch schreibt, warum dies – analog zum praktisch gleichen Experiment der grössten Schweizer Boulevardzeitung – scheitern wird. Besonders interessant ist allerdings, dass in Zeiten von Web 2.0 auch die ausgeschriebene Suche nach „Superbloggern“ unverblümt kommentiert werden kann.

Der Stadtwanderer alias Politologe und Sozialforscher Claude Longchamps schrieb u.a. in seiner neusten monatlichen Blog-Top 10 über die Lage der Blogosphäre (wie immer in kleinschrift – Hervorhebung von PolitikBlogs):

. die themenblogs, zum beispiel zu geschichte, politik (nicht politikerInnen!) gesellschaft und kommunikation, sind meine eigentliche lieblinge der blogosphäre geworden; teils hervorragend, leider nicht so zahlreich!

Lawrence Lessigs „Code 2.0“ neu aufgelegt
Er ist so etwas wie ein Superstar der kreativen und idealistischen Kräfte im Internet. Lawrence Lessigs 1999 erstmals erschienenes Buch Code 2.0 ist in einer aktualisierten Version erschienen (gemessen in Internetjahren ist es eine eine Übersetzung aus der Steinzeit). Im als pdf verfügbaren (natürlich CC-lizenzierten) Text spielen Blogs eine wichtige Rolle. Nicht ganz zur beschriebenen „Amateurkultur“ gehören allerdings die zunehmenden Corporate Blogs, die keine Politblogs sind, aber möglicherweise politisch relevant sind, und die professionellen wunderschönen Parteienblogs.





Schenkel: Bloggen in der Politik

6 11 2006

Einer der am besten verlinkten und angesehensten Schweizer Politblogger ist Christian Schenkel. Er betreibt u.a. eDemokratie.ch, eDemokratie.eu. Im April hat er ein Papier zur Schweizer politischen Blogosphäre verfasst: Bloggen in der Politik. Über Chancen und Risiken von social software in der politischen Kommunikation.

Seine 5-seitige kurze Studie enthält auch einen Überblick über die Schweizer Blogosphäre (auch Blogsphäre genannt):

  • idealistisch motivierte Blogs (Blogs, die gesellschaftliche Themen jenseits der parteipolitischen Grenzen, aber an klaren Ideen orientiert diskutieren): www.freilich.ch, www.ordnungspolitik.ch, libera.lism.us, www.edemokratie.ch, intervention.ch/vlog
  • issue motivierte Blogs: befassen sich mit ausgewählten Themen der Tagespolitik. z.B.: www.asylpolitik.ch, blog.ja-zur-komplementaermedizin.ch
  • politische Watchblogs: beobachteen etablierte Parteien und deren Personal in ihrem politischen Tun und übt an ihnen – falls aus der Sicht des Bloggers nötig – Kritik. z.B. www.ignoranz.ch/
  • aktivistisch motivierte Blogs: soziale Bewegungen nützen zunehmend Blogs, um sich mit ihren Sympathisanten zu vernetzen. z.B.: http://www.pnosblog.blogspot.com [funktioniert offenbar nicht mehr] , www.turn.ch/danceoutwef
  • personenbezogene Blogs: Politikerinnen und Politiker, die – vorab in Wahlkampfzeiten – selbst zu bloggen. z.B.: kunz.freeflux.net/blog, www.christa-markwalder.ch/weblog/daily-blog
  • parteipolitisch motivierte Blogs: klassische Parteien, die auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene vermehrt social software für die politische Kommunikation einsetzen. z.B. www.svp-ch.blog.de [inzwischen allerdings nicht mehr in Betrieb zugunsten eines „Diskussionsforums“].
  • Man darf gespannt sein, wie sich die politische Blogosphäre der (Deutsch-)Schweiz im Hinblick auf die eidgenössischen Wahlen 2007 verändern wird und ob sich viele auf dem politischen Parkett ein persönlichliches Marketing-Blog zulegen werden.





    Über das PolitikBlogs-Blog

    1 11 2006

    Die politische Blogosphäre für wissenschaftliche Zwecken ordnen zu wollen, ist eine Sisyphusarbeit in einem sich stetig ausdehnenden Universum. Und Link-Sammlungen in Text-Dokumenten führen nicht gerade zu mehr Übersicht. Deshalb entsteht heute das Naheliegende: ein Blog über Blogs und Politik. Um für mich persönlich etwas mehr Übersicht zu schaffen und vielleicht sogar mit anderen Blogs zum Thema ab und zu mal zu interagieren. PolitikBlogs hat einen starken Bezug zur Schweiz, interessiert sich aber auch brennend für Forschung über die internationale politische Blogosphäre.

    Geschaffen wurden vorerst folgende Kategorien:

  • Blogs und Demokratie
  • Blogs von PolitikerInnen: ::Wahlkampf-/Propagandablogs:: und ::Parteienblogs::
  • Politische Blogs: ::von Privatpersonen:: und ::von Medienhäusern::
  • Blogforschung allgemein