Echo der Blogosphäre auf «Politik 2.0»-Studie

5 12 2007

Besten Dank für das Echo auf die Publikation der Abschlussarbeit, die seither bereits nochmals leicht überarbeitet wurde:

Politik 2.0 – sind Blogs Motoren oder Bedrohung für die Demokratie? [4 MB]

Auch vom Abstract und den wichtigsten Resultaten gibt es eine neue Version.

Stimmen zur Arbeit aus der Blogosphäre:

Netzpolitik:
Politik 2.0 – sind Blogs Motoren oder Bedrohung für die Demokratie?

Claude Longchamp im Kommunikationsblog:
Sind politische Blogs Motoren oder Bremsen der Demokratie?

Oberschichtenfernsehen:
Sind Blogs Motoren oder Bedrohung für die Demokratie?

150 Worte:
Keine Demokratisierung durch die Demokratisierung

Medienlese:
Economist erwartet Blogokratie in der Schweiz

France-Blog:
Sind die Franzosen politisch aktiver als die Deutschen?
(mit französischer Übersetzung)

Online Journalism Blog:
Online Journalism Atlas: online journalism in Switzerland
(in englischer Sprache)

Philologisches Klo:
Politische Blogs in der Schweiz

Freie Netze:
Sind politische Blogs Motoren oder Bedrohung der Demokratie?

Govote Deutschland:
netzpolitik.org: Politik 2.0 – sind Blogs Motoren oder Bedrohung für die Demokratie?

Kommentare bei Politikblogs

Reaktionen zum Vortrag über die Arbeit am BlogCampSwitzerland 2.0:

NZZ:
Kampf um Anerkennung

Veeoo Politics Weekly:
“Ernüchternd”: Meist erhalten nur Politiker und Prominente als Blogger Aufmerksamkeit

Innovation Wings:
BlogCamp 2.0 Switzerland sehr inspirierend

Taktil:
Temporäres Bloggerparadies

(((rebell.tv))):
blogger: kampf um anerkennung. druckt die NZZ

Textworker:
Über den Politik 2.0-Vortrag von Sarah Genner

Uncondition:
BlogCampSwitzerland 2.0

Füllhaas, Crossmediale Kommunikation:
Blogs und klassische Medien

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SP analysiert die Blogkommentare zu den Wahlen

5 11 2007

Ein wunderbares Beispiel, wie Blogs für eine Partei ein geeignetes Mittel sein können, um das eigene Abschneiden bei Wahlen zu analysieren: SP-Generalsekretär Thomas Christen fasste kürzlich die Debatte, die nach der Wahlniederlage im SP-Blog entbrannt war, zusammen.

SP analysiert Blog-Kommentare

Dies bestätigt im Grunde einen Aspekt, den meine Arbeit nicht beleuchtet hat: Blogs konstituieren relevante Nischenöffentlichkeiten, um es mit den Worten von Blog-Forscher Jan Schmidt zu sagen.

Übrigens: In meiner inzwischen vor dem Professor und meinem technischen Betreuer «verteidigten» (und als «gut bis sehr gut» bewerteten) Abschlussarbeit finde ich leider noch mehr Fehlerchen als erwartet. Deshalb dauert deren integrale Publikation an dieser Stelle noch ein paar Tage länger als geplant. Nur falls jemand aus unerklärlichen Gründen sehnlichst darauf gewartet haben sollte…





Politblog-Forschung ohne Ende

17 10 2007

Kaum hatte ich meine Abschlussarbeit abgeschlossen – die Verteidigung steht mir noch bevor –, wurden mir zwei weitere Diplomarbeiten über politische Blogs bekannt. Die Liste für den deutschsprachigen Raum:

  1. Demokratie „reloaded“? Das demokratische Potential politischer Weblogs in Deutschland. Es handelt sich um eine hochwertige Arbeit von Matthias Paetzolt, die auf dem „Wie ich blogge?!“-Datensatz der Universität Bamberg (Jan Schmidt) basiert und auf die ich mich in meiner eigenen Arbeit häufig beziehe. 2006 abgeschlossen.
  2. Das hauseigene Projekt: Politik 2.0 – Die Bedeutung von Blogs für die breite politische Öffentlichkeit. Eine Analyse von politisch relevanten Blog-Nennungen in Deutschschweizer Printmedien. Wird hier nach der Verteidigung und Überarbeitung – voraussichtlich Ende Oktober 2007 – publiziert.
  3. Laura aka Plappermaul hat kürzlich mit ihrer Arbeit über Politik-Blogs in der Deutschschweiz begonnen. Ins Visier nimmt sie Blogs von Politikern, Parteien und sonstigen politischen Organisationen und stellt diese einander gegenüber, um «zu eruieren, inwiefern die Blogs funktionieren, wen sie erreichen, was sie bieten und ob sie etwas bewirken können». Bin gespannt, wie sie das methodisch angehen möchte und an welcher Uni dies geschieht. Fribourg? Bern? Seit 2007 in Arbeit.
  4. Am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (wohlweislich mit IPMZ abgekürzt) wurde soeben von der Lizenziandin Fabiana Rotundo am Lehrstuhl von Prof. Werner Wirth, der für Fragebogenforschung berüchtigt ist, eine Online-Befragung (hier ausfüllen) lanciert. Rotundos Lizenziatsarbeit steht im starken Zusammenhang mit den aktuellen Schweizer Parlamentswahlen. Inwiefern sind Blogs gute Wahlkampfinstrumente? Wer nutzt politische Blogs? Man darf gespannt sein, auch wenn bei der Umfrage eine starke Verzerrung internetaffiner Befragter zu erwarten ist. Wer einen solchen langen Online-Fragebogen ausfüllt, nutzt wohl auch viel eher mal ab und zu ein politisches Blog als solche, für die das Internet bloss mailen und googeln bedeutet. Seit 2007 in Arbeit.
  5. Keine Abschlussarbeit, aber eine lesenswerte Hausarbeit über Blogs hat Felix Haaß geschrieben: Weblogs. Neue Formen von politischer Öffentlichkeit? Eher theoretisch als empirisch. 2007 abgeschlossen.

Politblog-Forschung scheint Konjunktur zu haben. Je nach Datengrundlage ist jedoch trotz ähnlichem Fokus jede Arbeit eine total andere. Und ein schnelllebiges Phänomen braucht zudem regelmässig wissenschaftliche Zuneigung, damit die Forschung auf der Höhe der Zeit bleibt.





Top 4 der Printjournalisten, die über Blogs schrieben

31 08 2007

Nicht viel los hier derzeit – die Datenauswertung meiner Untersuchung (politisch relevante Blog-Nennungen in Schweizer Printmedien) kommt Schrittchen um Schrittchen, aber sicher voran. Die liebe Technik war bisher ein Kind mit ausgeprägtem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, das mich immer am Arm zupfte und vom Schreiben abhielt. Kann aber auch sein, dass ich mich eher auf extravagante Software eingelassen habe: LaTeX, NukeEdit, Stata, statt einfach Word, Excel und SPSS.

Mit den Daten hantieren ist aber auch sehr spannend, und ich habe einen guten Einblick in die Qualität der politischen und technischen Berichterstattung von Schweizer Zeitungen bekommen. Bei Gelegenheit folgt hier mal eine Würdigung der besten Zeitungen. Lobend erwähnen möchte ich drei Journalisten und eine Journalistin, deren besonders qualifizierte Artikel über Blogs mir aufgefallen sind (in beliebiger Reihenfolge):

  • Heribert Seifert (NZZ)
  • Simone Luchetta (SonntagsZeitung)
  • Guido Mingels (Das Magazin – ich warte gespannt auf Falk Lükes Zerpflückung dessen m.E. hervorragenden Artikels, die der junge Webexperte mir versprochen hat)
  • Nick Lüthi (Der Bund)

Besondere Erwähnung verdient auch der Zeitungsblogger der Berner Zeitung: Mathias Born, dessen Kolumnen mich amüsiert haben, die allerdings fast gänzlich durch das Raster meiner Untersuchung gefallen sind.





Politblogs codieren und das «L’Hebdo»-Bondy Blog

31 07 2007

Zurzeit codiere ich rund 3500 Schweizer Presseartikel, die mindestens einmal das Wort Blog in all seinen Variationen enthalten, im Hinblick auf deren politische Relevanz.

Es ist endlos und macht mich halb verrückt, obwohl mir das tolle Programm meines technischen Betreuers «NukeEdit» viel Arbeit abnimmt. Auf Grund der Datenmenge und der rieselnden Zeit muss ich wohl meine Datenauswahl noch etwas einschränken und mich möglicherweise bloss auf die wichtigsten politisch orientierten Schweizer Zeitungen mit einigermassen hoher Auflage beschränken. Allerdings ist ausgerechnet die Gratiszeitung «20 Minuten», die inzwischen mit 420 000 (WEMF) die höchste Auflage der Schweiz geniesst, nicht in meinem Datensatz vertreten. Sie wird erst demnächst von der Schweizer Mediendatenbank (SMD) erfasst werden, wo ich meine unzähligen Artikel her habe.

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Nach dem BlogCampSwitzerland im März hatte ich vom Bondy Blog geschwärmt, das mir eines der interessantesten Projekte im Bereich Blogs und Demokratie schien: direkte Berichterstattung aus der Banlieu zur Zeit der Unruhen in Frankreich im Jahr 2005. Später wurden Jugendliche der Banlieu in die Berichterstattung mit einbezogen. Nun lese ich in einem NZZ-Artikel von 2006, den ich codiere, über das Bondy Blog nicht nur Schmeichelhaftes, was häufig für journalistisches Bloggen (und Häppchenjournalismus) im Allgemeinen gelten kann:

«Eine zumindest auf dem Papier reizvolle Initiative war die der Lausanner Wochenzeitung «L’Hebdo», ab dem 12. November fünfzehn Journalisten für je ungefähr eine Woche nach Bondy zu schicken. In einem Blog berichteten diese über ihre Erfahrungen in der Pariser Vorstadt und ihre Begegnungen mit den Bewohnern. Das Unternehmen krankte jedoch an der Methode: Die einmal mehr, einmal weniger relevanten Alltagsbeobachtungen standen bloss unverbunden nebeneinander, es fehlte eine retrospektive Analyse und Synthese. Wäre es demnach unmöglich, ein zugleich lebensnahes und durch Reflexion vertieftes Gesamtbild des Lebens in der Banlieue zu zeichnen? Geht man davon aus, dass die Aufgabe der Journalisten weniger darin besteht, selbst Wissen zu schaffen (sonst wären sie ja Wissenschafter), als fremdes Wissen zu vermitteln, ist das Vorhaben durchaus realisierbar. Andere haben das Gros der Arbeit nämlich bereits geleistet: Soziologen.»

Das Bondy Blog-Projekt (das übrigens auch heute noch existiert, von Yahoo übernommen wurde) dürfte auch der Grund sein, warum «L’Hebdo» jene Schweizer Publikation ist, die gemäss meiner Untersuchung mit am meisten Blog-Nennungen überhaupt aufwartet.





Vlogger, Printsterben & digitale (Nicht-)Revolution

27 06 2007

Während ich selbst mit Bloggen ins Hintertreffen gerate, vloggt unser Stadtpräsident nach seinem NZZvotum-Gastblogger-Auftritt bereits seit zwei Tagen frisch und fröhlich.

Auch sonst überschlagen sich die Ereignisse, während ich mich für meine Arbeit digital durch 7000 Presseartikel mit Blog-Nennung aus der Schweizer Mediendatenbank wühle:

Nachdem heute sogar jemand mit der erstaunlichen Anfrage «Mein Professor will mit mir schlafen» hier gelandet ist, ging der – inzwischen erfolgreich beendete – 1. politische Blog-Karneval ohne mein Zutun über die Bühne. Und zu allem Unglück wurden in den letzten Wochen gleich zwei grössere Schweizer Printmedien geschlossen. Irgendwie wartete ich gespannt darauf, dass jemand diesem Internet und diesen Blogs die Schuld für das Printsterben geben würde – obwohl ich das dann doch für falsch gehalten hätte. Irgendwie scheinen jedoch Gratiszeitungen in Realität das viel bedrohlichere Geschäftsmodell für Zeitungen mit gewissen journalistischen Qualitätsansprüchen zu sein. In Kürze werden wir in der Deutschschweiz vier Gratiszeitungen haben: 20 Minuten (mit einer um 25 % aufgestockten Auflage), heute, das ab September ins Haus gelieferte .ch und eine neue Tamedia-Gratiszeitung, die nach dem gestorbenen Facts kommen soll. Und vielleicht noch viele andere mehr.

Web-Revolution – oder eben gerade nicht?
Das online relativ frisch ge-re-launchte «Magazin» recycelte Guido Mingels‘ Artikel über die Nicht-Revolution durch das Internet. Was da über das Netz und auch Blogs gesagt wird, ist gar nicht so falsch, im Gegenteil. Auch wenn die Zahl 16 Millionen Blogs inzwischen hoffnungslos veraltet ist (vor ein paar Monaten waren es bei Technorati bereits über 70 Mio):

Ein Internet-Mythos jüngeren Datums ist jener der Weblogs als fünfter Macht im Staat, die die herkömmlichen Massenmedien als Informationslieferanten ablösen werden. […] Die Zahl der Blogs wird weltweit auf 16 Millionen geschätzt.

Mingels wirft einen relativ nüchternen Blick auf die digitale Revolution, mit dem ich über weite Strecken einverstanden bin. Dennoch ist es schön, dass Peter Sennhauser (dessen Name erstaunlich viele meiner 7000 Artikel ziert) bei Medienlese Mingels‘ abgeklärten Standpunkt wiederum ironisch relativiert:

Mingels’ Fazit: Das Internet ist nur ein Werkzeug. Gesellschaft und Politik sind weitgehend unberührt. Nur der Konsum ist noch bequemer geworden. Wie wahr. Es ist genau wie mit der Erfindung des Verbrennungsmotors. Nichts hat sich geändert, die Bauern haben lediglich die Pferde durch Traktoren ersetzt…





Fachliteratur – analog & digital

23 05 2007

Steht schon ewig im PolitikBlogs-Kühlschrank, und muss jetzt endlich gegessen werden, bevor es noch unverzehrt auf den DigiKompost geworfen werden muss:

Gesammelte Hinweise auf Fachartikel und Forschungsliteratur über Blogs, Politik & Journalismus

/// Literatur Print (nur das Beste vom Besten der bereits erwähnten & einige neue):

  • Wurde mir empfohlen (leider noch nicht gelesen):

Democracy and new media (Hrsg. Henry Jenkins und David Thorburn). MIT Press, 2003.

Die Aufsatzsammlung verspricht, die Vielfalt des aktuellen Diskurses über Demokratie und Cyberspace abzubilden. Einige Beiträge behandeln den Einfluss der aufkommenden Technologien auf Politik, Journalismus und die aktive Zivilgesellschaft. Was geschieht z.B., wenn der Zugang zu Information vereinfacht wird und die Plattform für freie Meinungsäusserung grösser wird? Vergleiche der USA mit dem Einsatz neuer Medien in Kuba, in Südafrika und in multikulturellen Debatten sind enthalten. Die pessimistische wie auch die optimistische Strömung in Bezug auf die Kombination „Neue Medien & Demokratie“ sind in den Beiträgen vertreten. (sinngemässe & leicht gekürzte Übersetzung der Zusammenfassung auf der MIT-Seite)

Fans, bloggers, and gamers : exploring participatory culture (Henry Jenkins, 2006)

/// Digitale Literatur

Zusammenfassung der bisherigen Blog-Forschung
Einen umwerfenden Überblick über bisherige Blog-Forschung (allerdings mit Fokus auf Weblogs und Journalismus) bieten Christoph Neuberger, Christian Nuernbergk und Melanie Rischke in ihrem Artikel: Weblogs und Journalismus: Konkurrenz, Ergänzung oder Integration? Einige besonders interessante Punkte:

  • Bisher ist es Weblogs in Deutschland nur in wenigen Fällen gelungen, Themen zu setzen und Missstände aufzudecken. Deutlich grösser als in Deutschland ist der Einfluss der „A-list“-Blogs in den USA. In Politik, Wirtschaft und Medien ist die Existenz und Bedeutung von Weblogs inzwischen bekannt; sie reagieren durch Blogmonitoring und eigene Weblogs. Die höchste publizistische Relevanz haben Weblogs in Krisensituationen, in denen Blogger exklusiv als Augenzeugen oder als unabhängige Dritte (wie die Warblogs im Irakkrieg 2003) berichten können.
  • Viele Blogger haben journalistische Erfahrungen
  • Eine Inhaltsanalyse von PEW Internet & American Life Project zeigte, dass es prominenten politischen Blogs im amerikanischen Wahlkampf 2004 punktuell gelang, die Themenagenda vieler Online-Anbieter und übrige Medien zu beeinflussen.
  • Einmal mehr zunichte gemacht wird auch der Mythos der durch Weblogs hergestellten egalitären Öffentlichkeit
  • Viele Weblogs reagieren auf Berichte der Massenmedien
  • Suchziele von Redaktionsmitgliedern bei der Nutzung von Weblogs (basiert auf einer Befragung der Redaktionsleiter deutscher Nachrichtenredaktionen, Mai bis Juli 2006). Die beiden am häufigsten genannten Suchziele waren bei 33 befragten Redaktionsleitern:
  1. Themenideen: häufig 42,4%, selten 48,5%, nie 9,1%
  2. Fakten über ein aktuelles Ereignis: häufig 31,0%, selten 24,1%, nie 44,8%
  3. Mehr dazu in der Grafik auf Seite 14.

Die Autoren kommen zum Schluss, der mich nun wirklich nicht mehr aus den Socken haut, aber nach wie vor sehr plausibel ist: zwischen Blogs und traditionellen Medien besteht eher ein komplementäres Verhältnis als ein konkurrierendes.
Grenzen werden durch die zunehmende Integration von Blogs in journalistische Websites ohnehin immer mehr vermischt.

Beste Internet-Statistiken aus den USA
Die besten Zahlen über Internet und die amerikanische Bevölkerung liefert meines Wissens das PEW Internet & American Life Project. Der neuste Report von 2006 und dessen wichtigste Erkenntnisse:

  • Doppelt so viele Amerikanerinnen und Amerikaner brauchten das Internet als ihre erste Informationsquelle im Vorfeld der Wahlen 2006 verglichen mit den Wahlen 2002.
  • 15% der amerikanischen Erwachsenen sagten, dass sie am ehesten im Internet am meisten Neuigkeiten über die Wahlkampagnen erfahren haben (im Vergleich zu 7% in 2002)
  • eine Befragung nach den Wahlen zeigte, dass ein bemerkenswerter politischer Online-Aktivismus entstanden ist. 23% jener, die das Internet für politische Zwecke einsetzen haben selbst politische Kommentare oder Videos erstellt oder weitergeleitet.

Die Dokumentation der Präsentation von Lee Rainie, Director, Pew Internet & American Life Project : Presentation to Personal Democracy Forum am 18. Mai 2007. Enthält hochinteressante Zahlen, die den rapiden Anstieg der (politischen) Internetnutzung belegen:

• 92 million American adults use government Websites
• 38 million have sent email to government officials to try change policies
• 32 million have emailed jokes about candidates
• 29 million have researched or applied for government benefits
• 26 million use the internet for news about politics on average day in 2006, up 140% from 2002
• 25 million fact-checked the candidates online in 2006
• 24 million have participated in organized lobbying campaigns
• 21 million have watched political videos online (as of February, 2007)
• 14 million read political and media blogs
• 13 million consulted candidate sites in 2006
• 4 million donated to candidates online in 2006
• 2 million write about politics on their blogs

Über Blogs steht zudem:

20% [among the politically active cohort online in 2006] got news and information about the campaign from blogs. Those with relatively high levels of education and high levels of household income were particularly drawn to blogs as were campaign internet users in their 30s and their 50s. Blogs held special force with those who used the internet to get political news and information from places outside their communities.

Fazit: Ein hoher Bildungsstand und gutes Einkommen machen politische Blognutzung wahrscheinlicher sowie die Zugehörigkeit zu einer Altersklasse zwischen 30 und 40 und zwischen 50 und 60.

20% über Blogs politisch informierte Onliner klingt zunächst nach einigermassen viel. Stark relativiert wird die Zahl 20% jedoch dadurch, dass 60% der Befragten Neuigkeiten und Informationen über den Wahlkampf aus Newsportalen wie Google News bezogen, weitere 60% (man durfte wohl mehrere Antworten ankreuzen) von TV-Infoseiten wie CNN.com und 48% auf Online-Angebote von lokalen und 31% von nationalen traditionellen Medienhäusern zurückgriffen.

Sehr lesenswert: Welker über Blogs und Journalismus
Irgendein technischer Bösewicht verhindert zurzeit den Zugriff auf Martin Welkers Studie: Die Recherche-Chance: Was Journalisten mit Weblogs anfangen (können). Ein Online-Artikel von Welker führt allerdings auch sehr kompakt ins Thema ein.

Welker wirkt an der Uni Leipzig und ist ein Pionierforscher im deutschsprachigen Raum im Bereich Journalismus und Weblogs. Zudem organisiert er die General Online Research-Konferenz GOR, die kürzlich mal wieder mit einem ansprechenden Programm stattgefunden hat. Welker hielt einen Vortrag mit dem viel versprechenden Titel Journalisten als Weblognutzer: Gefährden sie journalistische Standards? Seine Recherchen konnten im Übrigen nichts dergleichen nachweisen.
Zudem kann ich Martin Welkers Blog empfehlen (neulich aufgemöbelt?), dem ich auch entnehme, dass der SWR zusammen mit den üblichen verdächtigen deutschen A-Bloggern eine Studie über Web 2.0 und Mediennutzung im Allgemeinen herausgegeben hat.

Demnächst: Noch hinter dem Mond, aber schon so richtig in der Pipeline: Neue Neue Medien-Literatur von den deutschsprachigen Blog-Forschungs-Grössen: Welker, Schmidt und Zerfaß. Könnte das Zeug zum Standardwerk haben.