Politik 2.0 – sind Blogs Motoren oder Bedrohung für die Demokratie?

24 09 2009

Dieses Blog diente 2006 bis 2007 als äusserst nützliche Sammlung für eine Masterarbeit an der Universität Zürich. Die Arbeit gibt es nach wie vor zum Download:

Politik 2.0 – sind Blogs Motoren oder Bedrohung für die Demokratie? (pdf) |  Abstract (pdf) | wichtigste Resultate (pdf)


Weiterverwertung:

  • Aus der Arbeit entstand ein Kapitel im Buch Web 2.0 für Kommunen und Kommunalpolitik – Neue Formen der Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Bürger. Erschienen im November 2008 im wh-verlag.
  • An einer von der Europäischen Kommission unterstützten Konferenz in Prag im Sommer 2008 fand die Arbeit Verwertung in Form eines Vortrags inkl. englischem Konferenzpapier. Thema des betreffenden Vortragspanels war «Cyberprotest». Der Vortrag ging der Frage nach, wie sehr sich Blogs als politisches Protestmittel eignen. Das Paper: Blogs – a Democratic Tool? A Global Megaphone for Civil Protest? (pdf)
  • Deutschlandradio führte im Frühjahr 2008 ein Interviewgespräch über die Arbeit.




SP analysiert die Blogkommentare zu den Wahlen

5 11 2007

Ein wunderbares Beispiel, wie Blogs für eine Partei ein geeignetes Mittel sein können, um das eigene Abschneiden bei Wahlen zu analysieren: SP-Generalsekretär Thomas Christen fasste kürzlich die Debatte, die nach der Wahlniederlage im SP-Blog entbrannt war, zusammen.

SP analysiert Blog-Kommentare

Dies bestätigt im Grunde einen Aspekt, den meine Arbeit nicht beleuchtet hat: Blogs konstituieren relevante Nischenöffentlichkeiten, um es mit den Worten von Blog-Forscher Jan Schmidt zu sagen.

Übrigens: In meiner inzwischen vor dem Professor und meinem technischen Betreuer «verteidigten» (und als «gut bis sehr gut» bewerteten) Abschlussarbeit finde ich leider noch mehr Fehlerchen als erwartet. Deshalb dauert deren integrale Publikation an dieser Stelle noch ein paar Tage länger als geplant. Nur falls jemand aus unerklärlichen Gründen sehnlichst darauf gewartet haben sollte…





Politblog-Forschung ohne Ende

17 10 2007

Kaum hatte ich meine Abschlussarbeit abgeschlossen – die Verteidigung steht mir noch bevor –, wurden mir zwei weitere Diplomarbeiten über politische Blogs bekannt. Die Liste für den deutschsprachigen Raum:

  1. Demokratie „reloaded“? Das demokratische Potential politischer Weblogs in Deutschland. Es handelt sich um eine hochwertige Arbeit von Matthias Paetzolt, die auf dem „Wie ich blogge?!“-Datensatz der Universität Bamberg (Jan Schmidt) basiert und auf die ich mich in meiner eigenen Arbeit häufig beziehe. 2006 abgeschlossen.
  2. Das hauseigene Projekt: Politik 2.0 – Die Bedeutung von Blogs für die breite politische Öffentlichkeit. Eine Analyse von politisch relevanten Blog-Nennungen in Deutschschweizer Printmedien. Wird hier nach der Verteidigung und Überarbeitung – voraussichtlich Ende Oktober 2007 – publiziert.
  3. Laura aka Plappermaul hat kürzlich mit ihrer Arbeit über Politik-Blogs in der Deutschschweiz begonnen. Ins Visier nimmt sie Blogs von Politikern, Parteien und sonstigen politischen Organisationen und stellt diese einander gegenüber, um «zu eruieren, inwiefern die Blogs funktionieren, wen sie erreichen, was sie bieten und ob sie etwas bewirken können». Bin gespannt, wie sie das methodisch angehen möchte und an welcher Uni dies geschieht. Fribourg? Bern? Seit 2007 in Arbeit.
  4. Am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (wohlweislich mit IPMZ abgekürzt) wurde soeben von der Lizenziandin Fabiana Rotundo am Lehrstuhl von Prof. Werner Wirth, der für Fragebogenforschung berüchtigt ist, eine Online-Befragung (hier ausfüllen) lanciert. Rotundos Lizenziatsarbeit steht im starken Zusammenhang mit den aktuellen Schweizer Parlamentswahlen. Inwiefern sind Blogs gute Wahlkampfinstrumente? Wer nutzt politische Blogs? Man darf gespannt sein, auch wenn bei der Umfrage eine starke Verzerrung internetaffiner Befragter zu erwarten ist. Wer einen solchen langen Online-Fragebogen ausfüllt, nutzt wohl auch viel eher mal ab und zu ein politisches Blog als solche, für die das Internet bloss mailen und googeln bedeutet. Seit 2007 in Arbeit.
  5. Keine Abschlussarbeit, aber eine lesenswerte Hausarbeit über Blogs hat Felix Haaß geschrieben: Weblogs. Neue Formen von politischer Öffentlichkeit? Eher theoretisch als empirisch. 2007 abgeschlossen.

Politblog-Forschung scheint Konjunktur zu haben. Je nach Datengrundlage ist jedoch trotz ähnlichem Fokus jede Arbeit eine total andere. Und ein schnelllebiges Phänomen braucht zudem regelmässig wissenschaftliche Zuneigung, damit die Forschung auf der Höhe der Zeit bleibt.





Lob, Freiheit und nochmals Freiheit

3 10 2007

Am Sonntag war Lobtag des Stadtwanderers: PolitikBlogs fühlt sich ob der Klassierung unter des Politologen und Stadtwanderers Favoriten masslos geschmeichelt.

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Morgen ist Solidaritätstag für ein freies Burma: ein Blogpost für Burma. «Nützt’s nüt, so schadt’s nüt.» (Zürichdeutsche Volksweisheit)


Free Burma!

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Und heute war Abgabetag mit integrierter schlafloser Nacht. Jetzt bin ich frei.





Politblogs codieren und das «L’Hebdo»-Bondy Blog

31 07 2007

Zurzeit codiere ich rund 3500 Schweizer Presseartikel, die mindestens einmal das Wort Blog in all seinen Variationen enthalten, im Hinblick auf deren politische Relevanz.

Es ist endlos und macht mich halb verrückt, obwohl mir das tolle Programm meines technischen Betreuers «NukeEdit» viel Arbeit abnimmt. Auf Grund der Datenmenge und der rieselnden Zeit muss ich wohl meine Datenauswahl noch etwas einschränken und mich möglicherweise bloss auf die wichtigsten politisch orientierten Schweizer Zeitungen mit einigermassen hoher Auflage beschränken. Allerdings ist ausgerechnet die Gratiszeitung «20 Minuten», die inzwischen mit 420 000 (WEMF) die höchste Auflage der Schweiz geniesst, nicht in meinem Datensatz vertreten. Sie wird erst demnächst von der Schweizer Mediendatenbank (SMD) erfasst werden, wo ich meine unzähligen Artikel her habe.

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Nach dem BlogCampSwitzerland im März hatte ich vom Bondy Blog geschwärmt, das mir eines der interessantesten Projekte im Bereich Blogs und Demokratie schien: direkte Berichterstattung aus der Banlieu zur Zeit der Unruhen in Frankreich im Jahr 2005. Später wurden Jugendliche der Banlieu in die Berichterstattung mit einbezogen. Nun lese ich in einem NZZ-Artikel von 2006, den ich codiere, über das Bondy Blog nicht nur Schmeichelhaftes, was häufig für journalistisches Bloggen (und Häppchenjournalismus) im Allgemeinen gelten kann:

«Eine zumindest auf dem Papier reizvolle Initiative war die der Lausanner Wochenzeitung «L’Hebdo», ab dem 12. November fünfzehn Journalisten für je ungefähr eine Woche nach Bondy zu schicken. In einem Blog berichteten diese über ihre Erfahrungen in der Pariser Vorstadt und ihre Begegnungen mit den Bewohnern. Das Unternehmen krankte jedoch an der Methode: Die einmal mehr, einmal weniger relevanten Alltagsbeobachtungen standen bloss unverbunden nebeneinander, es fehlte eine retrospektive Analyse und Synthese. Wäre es demnach unmöglich, ein zugleich lebensnahes und durch Reflexion vertieftes Gesamtbild des Lebens in der Banlieue zu zeichnen? Geht man davon aus, dass die Aufgabe der Journalisten weniger darin besteht, selbst Wissen zu schaffen (sonst wären sie ja Wissenschafter), als fremdes Wissen zu vermitteln, ist das Vorhaben durchaus realisierbar. Andere haben das Gros der Arbeit nämlich bereits geleistet: Soziologen.»

Das Bondy Blog-Projekt (das übrigens auch heute noch existiert, von Yahoo übernommen wurde) dürfte auch der Grund sein, warum «L’Hebdo» jene Schweizer Publikation ist, die gemäss meiner Untersuchung mit am meisten Blog-Nennungen überhaupt aufwartet.





Die YouTube-isierung der Politik

29 07 2007

Die Ära der politischen Vlogs ist definitiv angebrochen.

Die Bedeutung des geschriebenen Wortes nimmt in der digitalisierten Politik ab – Politikerinnen und Politiker sehen sich, genau wie im analogen Leben, lieber gefilmt reden als in geschriebene Worte gefasst. Ein YouTube-Auftritt (oder die ganzen entsprechenden einbettbaren Videoplattformen) ist attraktiver als geschriebene Blog-Beiträge – Rhetorik ist schliesslich der Überzeugungskraft von Argumenten in Textform oft überlegen.

Die deutsche Netzzeitung präsentiert 10 politische Vlogs.

Frau Merkel hat seit einem guten Jahr ein Vlog, Toni Blair gratulierte Nicolas Sarkozy über YouTube zu seiner Wahl, nachdem auch Sarko sich gerne mit dem eigenen Videokanal ans Volk wendet. Der Zürcher Stadtpräsident vloggt, und auch der Berner Politiker Fuchs wendet sich ohnehin kaum in geschriebener Sprache in die Wählerschaft der Schweizerischen Volkspartei.

Aufgefallen war mir auch, dass Vloggen nicht einzig mit technischer Affinität der Politisierenden zusammenhängt. Sondern derzeit auch sehr mit deren Grad an Populismus. Zu beobachten ist das auch beim französischen Front National, deren Wählerschaft wohl nicht so gerne liest.

Schliesslich stellt sich auch die Frage, wie sehr die These, Blogs/Vlogs würden den politischen Diskurs demokratisieren, noch haltbar ist, wenn im Grunde doch nur jene Blogs/Vlogs der bereits etablierten Politikerinnen und Politiker breite Aufmerksamkeit geniessen.

Update:

Das Forum Politik hat neulich einen schönen Artikel über YouTube und die Deutschschweizer Politik veröffentlicht.

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Derzeit ebenfalls im E-Gespräch (Netzzeitung Teil 1, Teil 2, Teil 3, Golem, Netzpolitik): die äusserst internetaffine deutsche Jungpolitikerin Julia Seeliger.





Spiegel Online: YouTube-Debatte als «Revolution»

25 07 2007

Und einmal mehr wird der Mythos der «Revolution» im Bereich Internet und Politik gepflegt:

Spiegel Online: Wie das Netz die US-Politik revolutioniert

Geht man hauptsächlich von der technischen Seite aus, kann eine Verschiebung von TV hin zum Internet tatsächlich als grössere Umwälzung eingestuft werden. Obwohl gar Spiegel Online dem Fernsehen (zumindest jetzt noch) nach wie vor die wichtige Rolle der Anschlusskommunikation zur Webdebatte zugesteht:

Das Netz wird zum zentralen Ort der politischen Debatte. Einziges Manko: Diesmal noch musste das TV als Medium mithelfen.

TV weiterhin Gatekeeper
Anders an der YouTube-Demokratie war in der US-Debatte vor allem, dass man die Fragenden aus der Bevölkerung dank der Video-Filmchen sehen konnte. Von 3000 eingereichten Video-Fragen wurden 39 beantwortet (einmal mehr: Aufmerksamkeitsökonomie!) und von CNN-Redaktoren ausgewählt (Selektions- und Gatekeeperfunktion von Medien bleibt offenbar bestehen).

Ich warte ja noch immer gespannt darauf, dass mir jemand erklärt, was – ausser der Technik, die ja durchaus faszinierend ist – in der Webdemokratie so revolutionär ist, zumindest wenn man revolutionär in einem politischen Sinn versteht.

Enttäuschung über die lahme deutsche Polit-Webkultur
Im zitierten Spiegel Online-Artikel ist die Enttäuschung des Schreiberlings Christian Stöcker spürbar ist, dass in Deutschland Online-Debatten und politische Blogs noch kaum einen Einfluss haben. Vergessen geht dabei manchmal auch, dass die Unterschiede im Mediensystem in den USA und westeuropäischen Ländern ziemlich gross sind und dass die Meinungsvielfalt und Debattierkultur in Westeuropa viel mehr Platz in Mainstreammedien hat als dies in den USA der Fall ist. So gesehen scheint das Partizipationsbedürfnis hierzulande bereits viel eher abgedeckt zu sein als dort, was nicht gegen die web-unfreudige westeuropäische Bevölkerung spricht, sondern für das ausgewogenere Mediensystem.

Stöcker zitiert zum Schluss aus mehreren Blogs, was diese über die YouTube-Debatte geschrieben hatten – dies halte ich aus publizistischer Sicht hingegen durchaus für revolutionär.