LiveBlogging from BlogCampSwitzerland 2.0

20 10 2007

Heute sind weniger Blogger als an der 1. Version von BlogCampSwitzerland, jedoch anteilmässig etwas mehr Bloggerinnen. Wieder nette Einführung von Peter Hogenkamp und die unAgenda (der spontane Zeitplan der Konferenz) füllt sich allmählich. Habe mich gestern Nacht doch noch durchgerungen, meine Abschlussarbeit zu präsentieren, obwohl ich derzeit keine grosse Lust verspüre, vor Leuten zu sprechen und des Themas fast schon ein wenig überdrüssig bin. Mein Thema scheint aber auf Interesse zu stossen und so präsentiere ich um 15 Uhr meine Arbeit.

10.30 – 11.00 – The Swiss Myth (Dannie Jost)

Vorstellungsrunde, dann Bezug zu den Berner Unruhen am 6. Oktober. Was hat das mit Bloggen zu tun?, fragt Frau Siebensachen. Dann wird die Diskussion interessant. Ist die Unmittelbarkeit von Blogs ein Mythos? Mythen sind wichtig, aber es muss immer wieder hinterfragt werden, welchen Mythen wir beim Schreiben und Lesen aufsitzen.

Blogs und Wahrheit: eine philosophische Diskussion beginnt. Gibt es eine absolute Wahrheit? Wollen Blogger Wahres schreiben? Oder sind sie gewollt subjektiv? Sind die Informationen im Netz wahr?

Natürlich ist keine abschliessende Antwort möglich, aber das Hacker-Hemd von Corsin steht zum Schluss noch im Mittelpunkt.

11.15 – 12.00 – Getting blogs done (Jochen Lillich, selbstorganisation.de)

Konzept „Getting things done“ angewandt auf Blogs. Effizienzsteigerung, damit man als Blogger/in auch noch ein soziales Leben hat.

Aufgaben: Sammeln, sichten, organisieren, erledigen, aufräumen

Tipps zum Schreiben: produktive Zone finden, Ablenkungen verhindern (E-Mail-Programm schliessen), gute Atmosphäre schaffen, schreibe (inneren Kritiker unterdrücken)

20-10-5-Regel: 20 Minuten schreiben, 10 Minuten andere Internetsucht befriedigen (Mails lesen, Twitter, Feed-Reader etc.), 5 Minuten überarbeiten

12.15 – 12.45 – Facts 2.0 (Christian Lüscher)

Ein „Betriebsunfall“ nennt der Referent das Projekt Facts 2.0, das entstanden ist, nachdem das Magazin diesen Sommer eingegangen ist.

Das Ziel: Blogs und Mainstreammedien auf Augenhöhe bringen. Nicht tagesaktuellen Journalismus bieten, eher Meinungs- und Hintergrundberichte. 1500-2000 Besuche pro Tag, 600 eingeschriebene Nutzer/innen. Es sei schwierig, Leute zu gewinnen, die über „ernsthafte“ Themen (wie Politik) publizieren.

Pläne: Kommentare exportieren (vgl. CoComment), expandieren nach Deutschland, Agenturquellen integrieren.

Christian Lüscher betont auch, dass Blogs eindeutig ein Marketingproblem haben im Vergleich zu einer Tamedia, die neue Medienprodukte mit enorm viel Geld in den Markt drücken muss.

köstliches gesponsertes Mittagessen

14.00 – 14.45 – 10 Tipps für bessere Weblog-Texte (Krusenstern)

Wegen Vorbereitungen für meinen eigenen Vortrag leider verpasst. Aber beim Krusenstern wunderbar nachzulesen: 10 Tipps für bessere Weblog-Texte: Readability Optimization

15.00 – viel zu spät – Politik 2.0 – Blogs und die breite politische Öffentlichkeit (Sarah)

An Jens Wieses Computer, mit trockenem Hals und wenig Atem präsentierte ich meine Abschlussarbeit, die ich hier nach einigen Verbesserungen ca. Ende Oktober publiziere. Die Diskussion war kaum abzubrechen, es war spannend, sich mit Interessierten am Thema auszutauschen.

Vortragsfolien «Politik 2.0»

Das nächste BlogCampSwitzerland findet im August 2008 am Tag der Informatik statt.

Nettes Wiedersehen mit: Jens Wiese, Dannie Jost, Claudio Notz, Krusenstern, Innovation Wings, Ronnie Grob

Nettes Treffen auf: Urs Meile, Veeoo, Lucas Bally, Chiperoni, Nico Luchsinger

Vermisst: Matthias Gutfeldt, Mark Balsiger, Eric Poscher, Arlesheim Reloaded, 3.14a

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Schweizer Fernsehen imitiert US-YouTube-Debatte

17 10 2007

Was kürzlich in den USA als revolutionär gefeiert worden war, kam ausnahmsweise mal ziemlich schnell als adaptierte Kulturtechnik über den Antlantik nach Helvetien: Wahlkampf, dem mit YouTube ein partizipativeres Image verliehen wird. Die Wahlarena «Entscheidung 07» des Schweizer Fernsehens machte es möglich.

Und hier ist das Resultat.





Brandaktuell in Burma: Blogs umgehen Zensur

28 09 2007

Eine der zentralen Thesen meiner fast beendeten Lizenziatsarbeit zur Bedeutung von Blogs für die breite politische Öffentlichkeit lautet ungefähr so:

Blogs sind besonders geeignet, Informationen aus Krisen-, Kriegs- und Katastrophengebieten zu überliefern und Pressezensur zu umgehen.

Die Berichterstattung in Mainstreammedien (gestern 10vor10, ARD Nachtmagazin, CNN, Spiegel Online) über die aktuellen Ereignisse in Burma stützt sich nach deren eigenen Angaben auch massgeblich auf Informationen aus Blogs, weil kaum ausländische Journalisten im Land zugelassen sind.

Gleichzeitig ist dieses Umgehen der Zensur stark dadurch behindert, dass Telefon- und Internetanschlüsse von den Machthabern gekappt werden.

Die Solidaritätsaktion «Blogger für Burma» wurde ins Leben gerufen.





Eine unsägliche «Web 2.0-Demontage» im «Magazin»

24 09 2007

Am Samstag erschien im «Magazin», der wöchentlichen Beilage des Tages-Anzeigers (und anderen Schweizer Tageszeitungen) ein Artikel des Buchautors Andrew Keen («The Cult of the Amateur»), der gegen Blogs und das Web 2.0 im Allgemeinen wettert.

In der beeindruckenden wiki-basierten Online-Ausgabe des «Magazins» diskutieren wir jetzt über den ziemlich polemischen Artikel «Die Revolution ertränkt ihre Kinder» weiter. Wenn das nicht bereits ein riesiger Vorteil von Web 2.0 ist, dass solche unhaltbaren Artikel in der Kommentarfunktion in der Luft zerrissen werden können, dass man sich dabei auf andere Kommentare beziehen kann, und man nicht drei Wochen warten muss, bis die Leserbriefe in der gedruckten Ausgabe erscheinen!





BlogCampSwitzerland 2.0

31 08 2007

Ein Webzweinull-Insiderscherzchen haben sich die Organisatoren für die 2. Auflage des BlogCampSwitzerland am 20. Oktober einfallen lassen. Ob es wohl noch partizipativer und noch interaktiver und sowieso viiiiel demokratischer wird als vergangenen März bei BlogCampSwitzerland 1.0?





Die YouTube-isierung der Politik

29 07 2007

Die Ära der politischen Vlogs ist definitiv angebrochen.

Die Bedeutung des geschriebenen Wortes nimmt in der digitalisierten Politik ab – Politikerinnen und Politiker sehen sich, genau wie im analogen Leben, lieber gefilmt reden als in geschriebene Worte gefasst. Ein YouTube-Auftritt (oder die ganzen entsprechenden einbettbaren Videoplattformen) ist attraktiver als geschriebene Blog-Beiträge – Rhetorik ist schliesslich der Überzeugungskraft von Argumenten in Textform oft überlegen.

Die deutsche Netzzeitung präsentiert 10 politische Vlogs.

Frau Merkel hat seit einem guten Jahr ein Vlog, Toni Blair gratulierte Nicolas Sarkozy über YouTube zu seiner Wahl, nachdem auch Sarko sich gerne mit dem eigenen Videokanal ans Volk wendet. Der Zürcher Stadtpräsident vloggt, und auch der Berner Politiker Fuchs wendet sich ohnehin kaum in geschriebener Sprache in die Wählerschaft der Schweizerischen Volkspartei.

Aufgefallen war mir auch, dass Vloggen nicht einzig mit technischer Affinität der Politisierenden zusammenhängt. Sondern derzeit auch sehr mit deren Grad an Populismus. Zu beobachten ist das auch beim französischen Front National, deren Wählerschaft wohl nicht so gerne liest.

Schliesslich stellt sich auch die Frage, wie sehr die These, Blogs/Vlogs würden den politischen Diskurs demokratisieren, noch haltbar ist, wenn im Grunde doch nur jene Blogs/Vlogs der bereits etablierten Politikerinnen und Politiker breite Aufmerksamkeit geniessen.

Update:

Das Forum Politik hat neulich einen schönen Artikel über YouTube und die Deutschschweizer Politik veröffentlicht.

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Derzeit ebenfalls im E-Gespräch (Netzzeitung Teil 1, Teil 2, Teil 3, Golem, Netzpolitik): die äusserst internetaffine deutsche Jungpolitikerin Julia Seeliger.





«Demokratisches» Web 2.0 sehr unterschiedlich erklärt

29 07 2007

Zwei alles andere als brandneue YouTube-Filmchen über Web 2.0, die allerdings zwei Positionen in Bezug auf Internet und demokratische Partizipation schön aufzeigen.

Ein euphorisches Einführungsfilmchen zu Web 2.0, das wunderbar in alle üblichen social software-Verdächtigen einführt. Und das mit der Hoffnung schliesst, dass dank den neuen Partizipationsmöglichkeiten das Web wieder so demokratisch wird, wie es einst von Tim Berners Lee gedacht war.

Ein skeptischer Zwischenruf in diese Euphorie ist der folgende Beitrag, der die technischen Innovationen zwar würdigt, aber die tatsächlichen Partizipationsmöglichkeiten stark relativiert. Dieses Filmchen ist eine Antwort auf den bei PolitikBlogs bereits mal verlinkten Beitrag: Web 2.0 … The Machine Is Us/ing Us.