Die Abschlussarbeit 2.0 (Beta)

23 11 2007

Es ist endlich vollbracht: das nimmersatte Lizenziatsarbeitskind fütterte ich seit der Abgabe nochmals mit einer zusätzlichen Grafik und einer Tabelle, um mich jetzt endlich vom Glucken-Dasein zu befreien. Der Fehlerteufel, der in der abgegebenen Arbeit noch Spuren der Verwüstung hinterlassen hatte, ist auch nach erneuten Anläufen nicht vollständig exorziert. Nun aber zur Sache.

Hier folgt die zweite überarbeitete Auflage, die damit zum ersten Mal publiziert wird:

Politik 2.0 – sind Blogs Motoren oder Bedrohung für die Demokratie? (4MB)

Ich warne ausdrücklich vor trockener Theorie, und bedanke mich für die allfällig aufgebrachte Geduld.

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Es steht zwar bereits im Kapitel der Danksagungen, aber es muss hier nochmals direkt im Blog stehen: besten Dank all jenen, die sich hier aktiv in die Diskussion eingeschaltet haben!


Eine Abschlussarbeit 2.0 verdiente ihren Namen nicht, wenn sie trotz «Beendigung» nicht weiterhin in der Beta-Version wäre. Wer noch gravierende Fehler findet oder auch zu ein paar richtigen Feststellungen Bezug nehmen möchte, halte sich mit Kommentaren nicht zurück. Vielleicht folgt mal noch eine Auflage 3.0 oder eine Gamma-Version. Überhaupt bin ich sehr neugierig zu lesen, was die betreffende Blogosphäre zu sich sagt, wenn ihr ein Spiegel vorgehalten wird.

Wer sich – sehr verständlicherweise – nicht durch alle Seiten hindurch scrollen mag, knöpfe sich vielleicht mal das «Abstract» und «die wichtigsten Resultate im Überblick» vor.

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Gespannt bin ich besonders auf Reaktionen von Top-Blog-Forscher Jan Schmidt, vom Stadtwanderer Claude Longchamp, vom Krusenstern, von der eDemokratie, von politik-digital.de, vom Wahlkampfblog und von Politik 2.0. Natürlich auch von Arlesheim Reloaded, bernetblog.ch, Blogwiese, uncondition, 150 Worte, vom textworker und dem Meinungsmacherblog, von medienlese und vom Medienspiegel. Auch Frau Meckels kompetente Meinung wäre interessant, sowie jene von danah boyd, die mich in der Internetsteinzeit einst mit diesen Blog-Dingern etwas vertraut machte. Aber die Damen haben neben studentischen Blogs entweder ganze Blätterwälder auf den Fersen oder sind ein bisschen allzu englischsprachig.

Filosofisches oder Satire gibt es bestimmt von den Positivisten, der Lupe und (((rebell.tv))), und der Senf aller anderen ist selbstverständlich ebenso erwünscht.





SP analysiert die Blogkommentare zu den Wahlen

5 11 2007

Ein wunderbares Beispiel, wie Blogs für eine Partei ein geeignetes Mittel sein können, um das eigene Abschneiden bei Wahlen zu analysieren: SP-Generalsekretär Thomas Christen fasste kürzlich die Debatte, die nach der Wahlniederlage im SP-Blog entbrannt war, zusammen.

SP analysiert Blog-Kommentare

Dies bestätigt im Grunde einen Aspekt, den meine Arbeit nicht beleuchtet hat: Blogs konstituieren relevante Nischenöffentlichkeiten, um es mit den Worten von Blog-Forscher Jan Schmidt zu sagen.

Übrigens: In meiner inzwischen vor dem Professor und meinem technischen Betreuer «verteidigten» (und als «gut bis sehr gut» bewerteten) Abschlussarbeit finde ich leider noch mehr Fehlerchen als erwartet. Deshalb dauert deren integrale Publikation an dieser Stelle noch ein paar Tage länger als geplant. Nur falls jemand aus unerklärlichen Gründen sehnlichst darauf gewartet haben sollte…





Politblog-Forschung ohne Ende

17 10 2007

Kaum hatte ich meine Abschlussarbeit abgeschlossen – die Verteidigung steht mir noch bevor –, wurden mir zwei weitere Diplomarbeiten über politische Blogs bekannt. Die Liste für den deutschsprachigen Raum:

  1. Demokratie „reloaded“? Das demokratische Potential politischer Weblogs in Deutschland. Es handelt sich um eine hochwertige Arbeit von Matthias Paetzolt, die auf dem „Wie ich blogge?!“-Datensatz der Universität Bamberg (Jan Schmidt) basiert und auf die ich mich in meiner eigenen Arbeit häufig beziehe. 2006 abgeschlossen.
  2. Das hauseigene Projekt: Politik 2.0 – Die Bedeutung von Blogs für die breite politische Öffentlichkeit. Eine Analyse von politisch relevanten Blog-Nennungen in Deutschschweizer Printmedien. Wird hier nach der Verteidigung und Überarbeitung – voraussichtlich Ende Oktober 2007 – publiziert.
  3. Laura aka Plappermaul hat kürzlich mit ihrer Arbeit über Politik-Blogs in der Deutschschweiz begonnen. Ins Visier nimmt sie Blogs von Politikern, Parteien und sonstigen politischen Organisationen und stellt diese einander gegenüber, um «zu eruieren, inwiefern die Blogs funktionieren, wen sie erreichen, was sie bieten und ob sie etwas bewirken können». Bin gespannt, wie sie das methodisch angehen möchte und an welcher Uni dies geschieht. Fribourg? Bern? Seit 2007 in Arbeit.
  4. Am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (wohlweislich mit IPMZ abgekürzt) wurde soeben von der Lizenziandin Fabiana Rotundo am Lehrstuhl von Prof. Werner Wirth, der für Fragebogenforschung berüchtigt ist, eine Online-Befragung (hier ausfüllen) lanciert. Rotundos Lizenziatsarbeit steht im starken Zusammenhang mit den aktuellen Schweizer Parlamentswahlen. Inwiefern sind Blogs gute Wahlkampfinstrumente? Wer nutzt politische Blogs? Man darf gespannt sein, auch wenn bei der Umfrage eine starke Verzerrung internetaffiner Befragter zu erwarten ist. Wer einen solchen langen Online-Fragebogen ausfüllt, nutzt wohl auch viel eher mal ab und zu ein politisches Blog als solche, für die das Internet bloss mailen und googeln bedeutet. Seit 2007 in Arbeit.
  5. Keine Abschlussarbeit, aber eine lesenswerte Hausarbeit über Blogs hat Felix Haaß geschrieben: Weblogs. Neue Formen von politischer Öffentlichkeit? Eher theoretisch als empirisch. 2007 abgeschlossen.

Politblog-Forschung scheint Konjunktur zu haben. Je nach Datengrundlage ist jedoch trotz ähnlichem Fokus jede Arbeit eine total andere. Und ein schnelllebiges Phänomen braucht zudem regelmässig wissenschaftliche Zuneigung, damit die Forschung auf der Höhe der Zeit bleibt.





Lob, Freiheit und nochmals Freiheit

3 10 2007

Am Sonntag war Lobtag des Stadtwanderers: PolitikBlogs fühlt sich ob der Klassierung unter des Politologen und Stadtwanderers Favoriten masslos geschmeichelt.

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Morgen ist Solidaritätstag für ein freies Burma: ein Blogpost für Burma. «Nützt’s nüt, so schadt’s nüt.» (Zürichdeutsche Volksweisheit)


Free Burma!

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Und heute war Abgabetag mit integrierter schlafloser Nacht. Jetzt bin ich frei.





US-Politblogs: Da tut sich was!

14 08 2007

Meine Medienanalyse zu Nennung und Zitierung politischer Blogs in Schweizer Printmedien (2000 bis 2007) schreitet – auch dank einer Offline-Auszeit – voran. Ich hatte es nicht wirklich anders erwartet, aber ich finde bei meiner Untersuchung tatsächlich weniger Nennungen politischer Blogs helvetischen als US-amerikanischen Ursprungs.

Ob helvetische Polit-Blogs je eine solche Resonanz erfahren werden wie derzeit amerikanische Blogs im Wahlkampf der democrats, steht noch in den Sternen der hiesigen Blogosphäre. Auf Grund der bereits mehrfach erwähnten riesigen Unterschiede im Medien- und Parteiensystem zwischen den USA und vielen westeuropäischen Ländern zweifle ich etwas daran. Aber die neue «Netroot»-Bewegung unter der Führung von DailyKos, der vor einer guten Woche sieben der acht demokratischen Präsidentschaftskandidierenden plus 1500 Aktvistinnen und Aktivisten am Blogger-Kongress YearlyKos versammelte, ist dennoch eindrücklich. Natürlich tingeln wanna-be-presidents-of-the-USA überall hin, wo sie noch ein paar Stimmen vermuten, aber sie scheinen dennoch der Meinung zu sein, dass mit Blogs Politik gemacht werden kann.

Im Tages-Anzeiger hiess es, dass die US-Demokraten die Hoheit im Internet hätten (Online-Artikel zahlungspflichtig), während Konservative die Radio-Talkshows beherrschten.

Politik-digital hob eher die Angst der Politprofis heraus, im Internet lächerlich gemacht zu werden – eine durchaus realistische Befürchtung, obwohl sie sich vor «Leser-Reportern» wie z.B. bei der BILD-Zeitung wohl viel eher in Acht nehmen müssen. Es handelt sich dabei somit nicht in erster Linie um ein Internet-Problem.

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Interessante aktuelle Links:

Sonntags-Zeitung: Blogs als Recherchegrundlage für klassische Medienschaffende im Irak
Businessportal: Politik verdrängt Tourismus als Blogger-Topthema

Mal wieder eine Debatte um die Relevanz von Blogs:

Süddeutsche: Ausgebloggt
jetzt (Süddeutsche): Im Netz nichts Neues: Deutsche Weblogs bewegen weniger, als man denkt
Stefan Niggemeiers Antwort: Ich weiß nicht, ob Zeitungen sich ihrer eigenen Relevanz dadurch versichern können, dass sie immer wieder ausführlich über etwas berichten, das nach ihrer eigenen Aussage so irrelevant ist.
Jan Schmidts Antwort: Ich habe […] argumentiert, dass das “Irrelevanz-Argument” ein immer wiederkehrendes Thema in den Diskursen rund um Weblogs ist, obwohl es aus meiner Sicht nicht haltbar ist; schade, dass der SZ-Artikel hier keine Ausnahme macht.





Politblogs codieren und das «L’Hebdo»-Bondy Blog

31 07 2007

Zurzeit codiere ich rund 3500 Schweizer Presseartikel, die mindestens einmal das Wort Blog in all seinen Variationen enthalten, im Hinblick auf deren politische Relevanz.

Es ist endlos und macht mich halb verrückt, obwohl mir das tolle Programm meines technischen Betreuers «NukeEdit» viel Arbeit abnimmt. Auf Grund der Datenmenge und der rieselnden Zeit muss ich wohl meine Datenauswahl noch etwas einschränken und mich möglicherweise bloss auf die wichtigsten politisch orientierten Schweizer Zeitungen mit einigermassen hoher Auflage beschränken. Allerdings ist ausgerechnet die Gratiszeitung «20 Minuten», die inzwischen mit 420 000 (WEMF) die höchste Auflage der Schweiz geniesst, nicht in meinem Datensatz vertreten. Sie wird erst demnächst von der Schweizer Mediendatenbank (SMD) erfasst werden, wo ich meine unzähligen Artikel her habe.

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Nach dem BlogCampSwitzerland im März hatte ich vom Bondy Blog geschwärmt, das mir eines der interessantesten Projekte im Bereich Blogs und Demokratie schien: direkte Berichterstattung aus der Banlieu zur Zeit der Unruhen in Frankreich im Jahr 2005. Später wurden Jugendliche der Banlieu in die Berichterstattung mit einbezogen. Nun lese ich in einem NZZ-Artikel von 2006, den ich codiere, über das Bondy Blog nicht nur Schmeichelhaftes, was häufig für journalistisches Bloggen (und Häppchenjournalismus) im Allgemeinen gelten kann:

«Eine zumindest auf dem Papier reizvolle Initiative war die der Lausanner Wochenzeitung «L’Hebdo», ab dem 12. November fünfzehn Journalisten für je ungefähr eine Woche nach Bondy zu schicken. In einem Blog berichteten diese über ihre Erfahrungen in der Pariser Vorstadt und ihre Begegnungen mit den Bewohnern. Das Unternehmen krankte jedoch an der Methode: Die einmal mehr, einmal weniger relevanten Alltagsbeobachtungen standen bloss unverbunden nebeneinander, es fehlte eine retrospektive Analyse und Synthese. Wäre es demnach unmöglich, ein zugleich lebensnahes und durch Reflexion vertieftes Gesamtbild des Lebens in der Banlieue zu zeichnen? Geht man davon aus, dass die Aufgabe der Journalisten weniger darin besteht, selbst Wissen zu schaffen (sonst wären sie ja Wissenschafter), als fremdes Wissen zu vermitteln, ist das Vorhaben durchaus realisierbar. Andere haben das Gros der Arbeit nämlich bereits geleistet: Soziologen.»

Das Bondy Blog-Projekt (das übrigens auch heute noch existiert, von Yahoo übernommen wurde) dürfte auch der Grund sein, warum «L’Hebdo» jene Schweizer Publikation ist, die gemäss meiner Untersuchung mit am meisten Blog-Nennungen überhaupt aufwartet.





Verlinkt und aufbewahrt

10 07 2007

Hastig ein paar interessante Links verstaut, bevor sie gänzlich verstaubt oder bestenfalls auf dem digitalen Fundbüro gelandet sind:

Dannie Jost hat mir neulich in Bern einen Crashkurs in neuen Websachen gegeben: zum ersten Mal von der besonders intelligenten Suchmaschine Clusty.com gehört, von der Konferenz reboot und vom Bookmarking mit Bildern dank Wists.com. Zudem geplaudert über Miniblogging und den Smalltalk im Netz bei Twitter und Jaiku – aufs  Politische bezogen die digitalen Stammtische. Ein paar Tage später wies sie mich auf das Institute For Politics, Democracy & The Internet (IPDI) hin. Dort fand ich eine Unzahl von Publikationen zum Thema. Näher angesehen habe ich mir die Studie «Understanding the Political Influence of Blogs – A Study of the Growing Importance of the Blogosphere in the U.S. Congress». Aus der Zusammenfassung:

While a very new field of research, most of the academic studies of blogging and politics conducted thus far have looked at the budding relationship through a media-based lens. In these studies, blogs are seen to affect politics only insofar as they are able to refocus the media’s attention and re-frame policy debates. While this way of seeing the emergent association between blogs and politics makes a great deal of sense, the blogosphere also seems to be playing an increasingly powerful role in framing ideas and issues for legislators and leaders directly.

Auch meine Untersuchung basiert auf der Annahme, dass Blogs hauptsächlich durch die Beeinflussung der massenmedialen Berichterstattung öffentliche politische Debatten und Meinungsbildung beeinflussen. Gut und richtig finde ich aber auch den Ansatz, den (wohl besonders in den USA zunehmenden) direkten Einfluss der Blogosphäre auf politische Akteure selbst zu untersuchen. Andere Publikationen des IPDI wirken eher wie Anleitungen zum Online-Politmarketing als Studien mit wissenschaftlichem Anspruch.

Im neuen Publicissimus, der Hauszeitschrift des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (IPMZ), läutet Prof. Otfried Jarren mit einem interessanten Vorwort über «Web 2.0 und Blogs – publizistische Revolution?» bereits das Herbstsemester 2007 ein. Abgesehen davon, dass ich – anders als es der Titel des Vorworts suggeriert – Blogs auf jeden Fall als Teil von Web 2.0 verstehen würde, finde ich Jarrens Ansatz für das Thema Blogs und Politik besonders hilfreich. Er legt den Fokus auf den Begriff Öffentlichkeit, die sich seiner Meinung nach durch die mit Web 2.0 bezeichneten Entwicklungen tatsächlich verändert, komplexer wird. Es entstehen neue Ebenen, Themenöffentlichkeiten. Der Unterschied zwischen Teilöffentlichkeitsrelevanz und einer gesamtgesellschaftlichen Relevanz bleibt gemäss Jarren natürlich bestehen, und dadurch bleiben traditionelle Massenmedien zentral: Sie stabilisieren durch Selektionsentscheidungen die durch neue Öffentlichkeitsebenen deutlich gestiegene gesellschaftliche Komplexität.

Einen sehr anschaulichen Vortrag zu Web 2.0 und wie sich Öffentlichkeiten verändern, hat neulich Jan Schmidt in Jena gehalten (Folien). Auch sehr anschaulich ist die Spezial-Nummer des Spiegels zu Leben 2.0.

MotherJones berichtet ausführlich über Politics 2.0 und Open Source Politics. Publizistikprofessor Jay Rosen (PressThink) hat sich an der Es wird alles verändern-versus –Es wird sich nichts ändern-Berichterstattung gestört. (via Martin Welker)

Das Buch «Die heimliche Medienrevolution – Wie Weblogs, Wikis und freie Software die Welt verändern» gibt es als pdf frei im Internet. Die Möglichkeiten der neuen technischen Mittel werden darin schön aufgezeigt. Leider muss das Buch auch immer den Kopf hinhalten, wenn ich aufzeigen möchte, dass manche in Bezug auf die «Revolution» zu optimistisch sind.